Bauchumfang am Ende der 32. SSW

Schwangerschaft, Geburt und Stillen mit Multipler Sklerose

Steht der Kinderwunsch bei dir an oder willst du dich schon einmal vorab darüber informieren? In diesem Artikel teile ich meine Erfahrungen zu Schwangerschaft, Geburt und dem anschließenden Stillen mit dir und gebe dir Tipps. Denn Kinderkriegen mit MS gelingt meist genauso einfach oder schwer, wie ohne diese Diagnose.

Diagnose und Kinderwunsch

Zum Zeitpunkt der Diagnose war das Thema Kinderkriegen für mich noch in weiter Ferne. Ich hatte weder den richtigen Partner, noch konnte ich mich in der Mutterrolle sehen. Das ist gute 15 Jahre her.

Damals war ich 23 Jahre alt. Mich hätten zudem Zweifel geplagt. Kann ich eine gute Mutter sein mit MS und meinem Kind alles bieten, was es braucht?

Mittlerweile bin ich stolze Mama einer kerngesunden und fröhlichen Tochter. Meine Kleine ist nun schon ein Jahr alt und ich weiß, dass Kinder vor allem Liebe und sie umsorgende Eltern brauchen.

Schwangerschaft mit Multipler Sklerose

Kurz gesagt, änderte sich meine Einstellung. Und im April 2018 wurde ich schwanger. Bis zum Ende des ersten Trimesters habe ich Copaxone gespritzt. Danach beendete ich vorerst meine Basistherapie. Die Wahrscheinlichkeit von neuen Schüben im zweiten und dritten Trimester ist extrem gering. Das war bei mir auch der Fall. Ich hatte keinerlei Probleme mit der MS.

Zu Beginn der 26. Schwangerschaftswoche

Geburtsvorbereitungskurs

Wir entschieden uns für einen kompakten Kurs, der von Freitag bis Sonntag dauerte. Am Sonntag waren die werdenden Väter mit eingeladen. Die Hebamme erklärte uns, wie die Geburt genau abläuft, welche Phasen es gibt und wie sich das Kind zu jedem Zeitpunkt, bewegt und durch den Geburtskanal schiebt.

Wir übten Atemtechniken für die verschiedenen Stadien. Außerdem beantwortete sie viele Fragen und sprach uns Mut zu. Sie ging auf die unterstützenden Medikamente ein und wie man anderweitig den Schmerz lindern konnte. Am Ende war ich mir sicher, dass alles gut verlaufen würde.

Die Entbindung

Bis zwei Tage vor der Geburt fuhr ich noch langsam und sehr vorsichtig Rad. Der Blasensprung fand in den sehr frühen Morgenstunden statt, zwei Wochen vor dem errechneten Termin. Wir blieben die ersten 13 Stunden zuhause, da es noch keine intensive Wehentätigkeit gab.

Im Krankenhaus angekommen wurde zunächst alles noch ruhiger, was wohl oft passiert. Das zuständige Hormon gilt als scheu. Doch nach längeren Spaziergängen und Treppensteigen, kam die Sache in Schwung.

Die Entbindung selbst verlief natürlich und ohne Komplikationen. Ich benötigte weder eine PDA noch andere unterstützende Maßnahmen. Als ich meine Tochter endlich in den Armen hielt, wurde ich von einer unglaublichen Glückswelle durchströmt.

Vom Blasensprung bis zur Geburt meiner Tochter vergingen insgesamt 22 Stunden. Davon waren aber lediglich die letzten drei Stunden schmerzintensiv.

Mit mit meiner Tochter einen Tag nach der Entbindung

Wochenbett

Wir wurden nach drei Tagen im Krankenhaus entlassen. Alles war bestens, nichts auffällig. Und ich fühlte mich deutlich fitter, als die 15 Jahre jüngere Mama, die mit mir auf dem Zimmer lag.

Natürlich sind die ersten Wochen und Monate anstrengend, vor allem der Schlafmangel. Doch zu zweit oder mit der Unterstützung von Familie und Freunden lässt sich viel kompensieren. Denn dann braucht man vor allem jemanden, der dafür sorgt, dass man selbst genug zu essen bekommt, die Wäsche gewaschen wird und ab und an eine Dusche drin ist.

Da unsere Familien mindestens zwei Autostunden entfernt wohnen, waren wir auf uns allein gestellt. Das war aber kein Problem. Mein Freund nahm sich die ersten sechs Wochen frei, kombinierte Elternzeit und Urlaub. Er sorgte fürs Essen, nahm unsere Kleine, wenn ich mal duschen wollte und unterstützte mich, wo er konnte.

Stillen

Das Stillen funktionierte von Anfang an gut. Meine Tochter kurbelte gleich zu Beginn sehr erfolgreich die Produktion an. Und dank der Tipps meiner Hebamme, wusste ich mir zu helfen, wenn sie mal ihr Trinkverhalten änderte und mein Körper erst nachjustieren musste.

Mit kühlenden Quarkwickeln, Milchpumpe und einer Tasse Pfefferminztee regulierte ich runter. Und wenn sie mehr brauchte, trank ich besonders viel Wasser und Stilltee.

Da ich auch unter dem Stillen keinen Schub hatte, konnte ich damit fortfahren. Meiner Tochter gefällt das Stillen sogar so gut, dass wir immer noch dabei sind, obwohl sie nun schon dreizehn Monate alt ist.

Meine Tochter mit 12,5 Monaten schlafend im Tuch

Wiedereinstieg Basistherapie

Im kommenden Monat steht bei mir das nächste MRT an. Anschließend möchte ich wieder mit einer Basistherapie beginnen, weil ich davon überzeugt bin, dass sie der wichtigste Baustein für meine bleibende Gesundheit ist. Denn die MS ruht selten lange, wenn man ihr nichts entgegensetzt.

Vermutlich werde ich wieder mit Copaxone beginnen, da man davon ausgeht, dass der Wirkstoff bereits zerfallen ist, bevor er durch die Muttermilch zum Kind gelangt. Damit besteht keine Gefahr und ich kann meiner Tochter die Entscheidung überlassen, wann sie bereit ist, das Stillen zu beenden. Gleichzeitig begebe ich mich wieder unter den Schutz der Basistherapie.

Tipps für dich

Wenn bei dir der Kinderwunsch ansteht, solltest du unbedingt mit deinem Neurologen darüber sprechen. Für mich war es komisch, eine quasi außenstehende Person mit einzubeziehen, aber die Gesundheit des ungeborenen Lebens geht vor. Dein Neurologe weiß, welche Medikamente kritisch sind, ob ein Wechsel oder absetzen Sinn macht und was es noch zu beachten gibt.

Eine gute Anlaufstelle ist ms-und-kinderwunsch.de. Unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Hellwig wird dort das deutschsprachige Multiple Sklerose und Kinderwunsch Register (DMSKW) geführt. Hier findest du fundierte Informationen zum Thema.

Neuerdings werden regelmäßige Webinare mit dem Titel “Plan Baby bei MS“ angeboten. Das Projekt läuft in Zusammenarbeit mit der DMSG.

Wenn du schwanger bist, wäre es großartig, wenn du dich selbst registrieren lässt und somit dazu beiträgst, noch mehr Wissen aufzubauen. Ich habe die Seite erst vor zwei Monaten entdeckt und konnte somit nur meine Erfahrungen zusammengefasst beitragen.

Wer sollte von deiner MS Diagnose wissen?

Informiere deine Frauenärztin, welche Basistherapie du nimmst und ob dein Neurologe spezielle Empfehlungen gegeben hat. Falls du weitere Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel nimmst, würde ich diese ebenfalls angeben. So kann deine Ärztin mögliche Wechselwirkungen bedenken, falls du während der Schwangerschaft Medikamente benötigst für die Schilddrüse, gegen Eisenmangel, etc.

Deine Hebamme sollte von eventuellen Einschränkungen und Symptomen wissen. So kann sie dich optimal vor und nach der Geburt betreuen.

Im Krankenhaus sollte in deinem Anamnesebogen vermerkt werden, dass du MS hast, welche Basistherapie du nimmst und ob du Einschränkungen hast. Denn unter den Wehen kannst du nicht mehr wirklich klar denken.

Viel Glück!

Zum Schluss möchte ich dir noch viel Glück wünschen, dass dein Kinderwunsch bald in Erfüllung geht. Versuche dir nicht zu viele Sorgen zu machen und genieße die Vorfreude auf dein kleines Wunder. Du wirst gewiss eine wunderbare Mama sein auf deine ganz individuelle Art.

Wenn du konkrete Fragen hast, die hier noch nicht angesprochen wurden, schreib mir gern. Ich werde gewiss noch weitere Artikel rund um das Thema veröffentlichen, aber vielleicht möchtest du nicht so lange warten.

In meinem Newsletter erhältst du Informationen rund um die Multiple Sklerose und einige nützliche Bonusmaterialien. Trage dich am besten gleich ein.

2 Kommentare zu „Schwangerschaft, Geburt und Stillen mit Multipler Sklerose“

  1. Pingback: MS-Perspektive #000 - Vorstellung vom Podcast und der Gastgeberin

  2. Pingback: Podcast #002 - Schwangerschaft, Geburt und Stillen mit Multipler Sklerose

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