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Podcast #061 – Stillen und Langzeitstillen mit MS

Stillen und Langzeitstillen ist auch mit MS möglich

Gleich zu Beginn die gute Nachricht: Stillen und selbst Langzeitstillen ist mit Multipler Sklerose möglich. Ich selbst spreche da aus Erfahrung. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels (Dezember 2020) stille ich meine Tochter zwei Jahre und nehme seit mehreren Monaten wieder meine Basistherapie.

Stillen oder Nichtstillen?

Ob du Stillen möchtest, ist zunächst komplett dir überlassen. Ich kenne Mamas für die Stillen nicht infrage kam, weil sie es aus persönlichen Gründen nicht wollten. Das ist völlig in Ordnung und hat niemand anderes außer der Mama allein zu entscheiden. 

Ich kenne Mamas die lange Zeit gestillt haben und übergriffige Kommentare von Fremden oder Bekannten zu Hören bekamen. Das ist komplett daneben. Sollen diejenigen doch bitte wegschauen, denen es nicht passt.

Ich kenne Mamas, die gerne (länger) gestillt hätte, aber es aus verschiedenen Gründen nicht möglich war. Bitte nicht schlecht fühlen. Manchmal ist es so und mit MS kann es durchaus gute Gründe geben, die eigene Gesundheit vorne anzustellen.

Und ich kenne Mamas bei denen lief es nach der Geburt des Kindes ganz anders, als vorher gedacht. Dazu zähle ich mich. Denn ich dachte, ich werde nur sechs Monate stillen und dann abgestillt haben und gehörte selber zu denen, die Langzeitstillen befremdlich fanden. Tja, so ändert sich manchmal alles, wenn man selbst in der Situation steckt, die man vorher nur von außen beobachtet hat.

Die Vorteile vom Stillen

 Stillen ist gut für dein Kind. Es bekommt so immer eine optimale Nährstoffzusammensetzung. Die Milch passt sich an die Bedürfnisse deines Kindes an. Je nach Alter oder bei Krankheit werden spezielle Stoffe mit in die Muttermilch gegeben. Das passiert ganz automatisch.

Außerdem spricht natürlich die psychologische Komponente fürs Stillen. Kinder beruhigen sich so schnell, da gleich mehrere Sinne angesprochen werden vom Schmecken übers Fühlen, Riechen, Hören (Herzschlag der Mutter) bis hin zum Tasten. Das wirkt sich positiv auf Mama und Kind aus. Der Herzschlag und die Atmung werden ruhiger. Oxytocin, das Bindungshormon wird ausgeschüttet und eine große Geborgenheit kommt mit dem Stillen einher.

Natürlich können viel der oben genannten Effekte auch beim Flasche geben im Kuschelmodus erreicht werden.

Und Stillen reduziert nachweislich die Anfälligkeit für Krebs, der mit den Geschlechtsorganen der Frau zu tun hat (Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs).

Was müssen MS-Patientinnen beachten?

Es gibt Medikamente, unter denen nicht gestillt werden kann, da sie vermutlich auf das Kind übergehen und schaden anrichten können.

Fasst immer empfehlen jedoch auch Neurologen, die Babys nach der Geburt zu stillen. Wie lange, hängt davon ab, wie die MS sich verhält. Wenn keine oder nur wenig Aktivität vorhanden ist, kannst du bedenkenlos länger stillen. Bei erhöhter Aktivität solltest du eine Risikoabwägung mit deinem Neurologen machen. Medikamente und deren Effekt versus Stillen und eventuell erhöhte Schubrate.

Informiere dich ausführlich bei deinem Neurologen und sag ihm, was dir wichtig ist und wo deine Prioritäten liegen.

Ich selbst hatte einen kleinen Schub, vermutlich nach der Entbindung und habe deshalb nach einem Jahr stillen wieder mit meiner Basistherapie begonnen. Dazu habe ich sowohl mit meinem Neurologen Prof. Dr. Ziemssen gesprochen, als auch eine zweite Meinung bei Prof. Dr. Hellwig eingeholt. Da beide übereinstimmten, dass bei einem Stillen als Ergänzung und bereits reichlich fester Nahrung, das Medikament unbedenklich ist, da es außerdem vor dem Übergang in die Muttermilch vermutlich abgebaut wird, stille ich weiter und nehme meine Basistherapie.

Einige Medikamente können genommen werden, bei anderen ist dringend davon abzuraten. Bitte sprich unbedingt mit einem auf MS spezialisierten Neurologe darüber, wenn du Langzeitstillen willst.

Es bleibt deine Entscheidung

Stillen hat zwar nicht so eine hohe schützende Wirkung, wie die Schwangerschaft selbst, aber immer noch einen positiven Einfluss. Sprich, wenn du stillst, bist du etwas besser vor der MS geschützt, als wenn du es nicht machst und es ist dein Leben.

Wenn du dir über mögliche Konsequenzen im Klaren bist, dann kannst du selbstverständlich auch gegen die Empfehlung deines Arztes entscheiden. Es ist dein Leben, dein Körper und dein Kind! Also wäge ab, wo deine Prioritäten liegen. Denke aber auch daran, dass deine Gesundheit ebenfalls kostbar ist, sowohl für dich, als auch für dein Kind.

Buchtipp zum Langzeitstillen

Ein gutes Buch zum Stillen und vor allem Langzeitstillen hat Kathrin Burri herausgebracht. Es trägt den Titel: „Langes Stillen. Natürlich, gesund, bedürfnisorientiert.“

Im Buch findest du sowohl eine Menge Fakten und schöne Fotos zum Thema, als auch Ergebnisse und Antworten einer groß angelegten Umfrage. Ich fand das sehr spannend und es hat mich darin bestärkt, das richtige zu tun und mich auf mich selbst und meinen Instinkt zu verlassen. Denn meine Tochter liebt das Stillen.

Alles Liebe und bestmögliche Gesundheit wünscht dir,
Nele

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