#315: Klinische Studien & MS – Chancen verstehen, Ängste abbauen

Heute geht es um ein Thema, das viele interessiert, aber oft mit Unsicherheit oder Vorbehalten behaftet ist: klinische Studien.

Gerade für Menschen mit chronischen, immunvermittelten Erkrankungen wie Multipler Sklerose, NMOSD oder MOGAD sind klinische Studien oft ein Hoffnungsträger – für neue Behandlungsansätze, verbesserte Lebensqualität und vielleicht sogar Fortschritte in Richtung Heilung. Doch viele haben auch Bedenken oder fühlen sich nicht ausreichend informiert. Ich möchte dich dabei unterstützen, ein besseres Gefühl für das Thema zu bekommen.

Ich möchte dir erklären, was dahintersteckt, warum Studien gerade für Menschen mit MS, aber auch mit NMOSD und MOGAD so wichtig sein können – und wie gute Aufklärung helfen kann, Ängste zu überwinden und fundierte Entscheidungen zu treffen.

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Inhaltsverzeichnis

Warum klinische Studien?

Ich habe mich entschieden, über klinische Studien zu sprechen, weil ich darin große Chancen für uns Betroffene sehe – sei es mit Multipler Sklerose, NMOSD oder MOGAD. Auch wenn sich manche Aspekte auf MS beziehen, gelten viele Überlegungen genauso für andere neuroimmunologische Erkrankungen.

Besonders bei der sogenannten schwelenden MS, also dem schleichenden Fortschreiten unabhängig von Schüben, brauchen wir dringend mehr Therapieoptionen. Und auch für den schubförmigen Verlauf gibt es noch Luft nach oben – noch gezieltere, nebenwirkungsärmere Medikamente wären ein echter Gewinn.
Und natürlich geht der Blick auch nach vorn – regenerative Ansätze, zum Beispiel zur Remyelinisierung, sind ein riesiger Hoffnungsträger.

Früher hatte ich selbst Angst vor Studien. Heute bin ich deutlich entspannter – auch, weil ich durch mein Multiple Sklerose Management Studium und das EUPATI-Programm gelernt habe, wie sicher klinische Studien inzwischen sind. Das EUPATI-Programm ist übrigens eine Weiterbildung, die sich an Patient:innen richtet und Patient:innenexpert:innen ausbildet, die sich dann in verschiedenen Phasen der Ausgestaltung klinischer Studien einbringen, aber auch an anderen Punkten, des Gesundheitssystems, zum Beispiel der Nutzenbewertung neuer Medikamente oder medizinischer Hilfsmittel und Untersuchungsmethoden.

Ich nehme seit Jahren an nicht-interventionellen Studien teil, wo es also nicht um die Erforschung von Medikamenten geht, aber um wissenschaftliche Fragestellungen, wie geeigneten Untersuchungen, um eine schleichende Verschlechterung der MS festzustellen oder der Risikobewertung der Medikamenteneinnahme in der Schwangerschaft auf das Kind. Und ich könnte mir bei einem veränderten Krankheitsverlauf auch vorstellen, an Medikamentenstudien teilzunehmen, wenn es etwas passendes gäbe und ich die Aufnahmekriterien erfüllen würde.

Was sagen die Zahlen? Und was bedeuten sie für uns?

Die Umfrage vom vfa, dem Verband Forschender Arzneimittelhersteller e.V., hat mich überrascht. Viele Menschen zeigen sich grundsätzlich offen für Studien, aber nur wenige nehmen tatsächlich teil. Besonders auffällig: Jüngere Menschen und Frauen – ein wichtiger und großer Teil der Patient:innengruppe bei  Multipler Sklerose – sind oft zurückhaltender und verpassen somit womöglich Chancen, das Fortschreiten der Erkrankung noch besser und frühzeitig zu unterbinden, als mit verfügbaren Immuntherapien.

In der MS-Community ist das Thema Studien nach meinem Empfinden bislang eher ein Randthema. Ich werde selten darauf angesprochen, kenne kaum aktive Teilnehmer:innen. Gleichzeitig spüre ich, dass viele mit progredienter MS unzufrieden mit ihrer aktuellen Therapiesituation sind. Es gibt also einen Bedarf – aber offenbar auch viele Hürden.

Auch bei NMOSD und MOGAD sehe ich großes Potenzial, dass durch Studien der Zugang zu innovativen Therapien verbessert wird – insbesondere, weil diese Erkrankungen seltener sind und deshalb oft weniger standardisierte Behandlungspfade existieren. Studien können hier eine wichtige Rolle spielen, um Fortschritte schneller in die Versorgung zu bringen.

Aufklärung – was heißt das eigentlich?

Gute Aufklärung bedeutet für mich:

  • Klarheit über die Sicherheitslage

  • Was wurde schon getestet, bevor die Studie anläuft?

  • Welche Chancen bestehen – und welche Risiken?

  • Welche Nebenwirkungen sind möglich – und welche Sicherheitsnetze gibt es?

Es braucht verständliche Informationen – nicht seitenweise Kleingedrucktes. Und idealerweise auch Formate wie Podcasts oder Videos, die man flexibel konsumieren kann.
Wichtig wären auch niedrigschwellige Rückfragemöglichkeiten – gern durch eine Patientenvertreterin oder MS-Schwester, die auch für den emotionalen Teil ansprechbar ist.

Vertrauen – der Schlüssel

Vertrauen ist essenziell. Ich möchte mich als Mensch gesehen fühlen, nicht nur als Studienteilnehmer:in. Ein vertrauter Ansprechpartner im Zentrum, eine offene Kommunikation und das Gefühl, dass ich bei Fragen oder im Zweifel nicht allein bin – das macht viel aus.

Was hilft? Erfolgsgeschichten. Wenn ich sehe, wie frühere Studien zu besseren MS-Therapien geführt haben, stärkt das mein Vertrauen. Und wenn ich weiß, wie viele Tests ein Wirkstoff durchläuft, bevor Menschen beteiligt werden, beruhigt mich das enorm.

Was geht im Kopf vor bei klinischen Studien?

Klar, es ist ein Wechselbad: Hoffnung, Interesse – aber auch Angst und Unsicherheit.

Was, wenn das Medikament nicht wirkt?

Was, wenn ich das Placebo bekomme und meine MS weiter voranschreitet?

Aber genau hier gibt es gute Nachrichten: Placebo ohne aktive Vergleichstherapie ist bei MS selten geworden, oft wird gegen eine zugelassene Therapie verglichen. Placebo kann aber eingesetzt werden. Falls das bei einer Studie an der du teilnehmen möchtest der Fall ist, lass dir genau erklären, was passiert, wenn du Placebo erhältst und sich die MS verschlechtert.

Auch ein Studienabbruch ist nicht gleichbedeutend mit Risiko – aber bitte immer in Rücksprache mit den Ärzt:innen, Study Nurses oder MS-Schwestern. Nicht dass du unnötig die Studie abbrichst und es nachher bereust. Und natürlich bist du nicht verpflichtet, die Studie bis zum Ende durchzuführen. Einen gewissen Anteil Abbrecher:innen gibt es immer. Bei einer erfolgreichen Studie ist der Prozentsatz meist deutlich geringer, weil die Teilnehmenden zufrieden mit den Ergebnissen auf ihre Gesundheit sind. 

Wichtige Fragen, die man vor Beginn klären sollte: Wie aufwendig sind die Untersuchungen? Welche Einschränkungen bringt das im Alltag mit sich – für Job, Familie, das persönliche Energielevel?

Typische Barrieren – und wie man sie abbauen könnte

Was vermutlich viele mögliche Teilnehmende zurückhält:

  • Zeitlicher Aufwand

  • Angst vor Placebo

  • Sorge, dass die MS ohne wirksame Therapie weiterläuft

  • Angst vor Nebenwirkungen, vielen Untersuchungen, belastenden Abläufen

  • Berufliche Verpflichtungen, Kinderwunsch, lange Wege zu den Studienzentren

Was vermutliche helfen würde:

  • Ein gutes Vertrauensverhältnis zum durchführenden medizinischen Team, lieber ein Gespräch mehr als zu wenig

  • Eine Patientenvertretung, die auf Augenhöhe informiert und begleitet

  • Untersuchungen vereinfachen, z. B. digitale Tagebücher oder dezentrale Visiten, was vermutlich nur teilweise umsetzbar ist

  • Übernahme von Kosten, wie Taxifahrten oder Kinderbetreuung, was jedoch vor Beginn der Studie festgelegt und geregelt werden muss.

  • Eine angemessene Entschädigung, falls beruflicher Ausfall entsteht, ist in Deutschland kaum möglich, da das schnell als falscher Anreiz gewertet werden kann.

Chancen – für dich und für andere

Eine Studienteilnahme bietet viele Vorteile:

  • Früher Zugang zu innovativen Therapien

  • Intensivere Kontrolle der Erkrankung durch engmaschige Untersuchungen

  • Die Chance, zur Verbesserung der Behandlung beizutragen

Und nicht zuletzt: Die Hoffnung, dass wir durch regenerative Ansätze – Remyelinisierung zum Beispiel – Symptome verbessern oder sogar verlorene Funktionen zurückgewinnen können.
Durch die Teilnahme hilfst du nicht nur dir, sondern der gesamten MS-Community.

Was macht gute Forschung aus?

Für mich ist eine Studie dann gut, wenn:

  • Sie transparent mit Chancen und Risiken umgeht

  • Die Wirkweise verständlich erklärt wird

  • Sicherheitsmechanismen und Überwachung klar kommuniziert werden

  • Auch Patient:innenstimmen berücksichtigt werden – z. B. durch Patient Reported Outcomes (PROMs), um den von Patient:innen subjektiv wahrgenommenen Gesundheitszustand im Verlauf oder nach einer Behandlung mess- und vergleichbar zu machen

Ethik ist zentral. Ich finde es wichtig, dass:

  • Studien heute sehr sicher sind

  • Forschung weitergeht – gerade für progrediente Verläufe

  • Wir als Betroffene auch aktiv mitgestalten können

Mein Fazit – und dein erster Schritt

Was ich dir mitgeben möchte:
Klinische Studien können eine echte Chance sein – für dich persönlich und für die ganze Community.

Wenn du unzufrieden mit deiner aktuellen Therapie bist, neue Möglichkeiten suchst oder einfach neugierig bist, dann trau dich, Fragen zu stellen. Sprich mit deinem Behandlungsteam oder informiere dich selbst – zum Beispiel über die CTIS-Datenbank oder mithilfe von Tools wie KI.

Du hast nur ein Leben und eine Gesundheit. Und es ist oft besser, selbst aktiv zu werden, als darauf zu hoffen, dass jemand anders die Lösung bringt.

Ganz gleich, ob du mit MS, NMOSD oder MOGAD lebst:
Nutze dein Recht auf Information, sprich mit Menschen, denen du vertraust – und finde heraus, ob eine klinische Studie für dich infrage kommt.

Es ist dein Körper, deine Entscheidung – und es ist völlig in Ordnung, neugierig zu sein.

Wie geht es hier weiter?

Das Thema klinische Studien ist mir wichtig und ich werde mehr Beiträge dazu bringen. Das hier war der Start. Falls du aktiv an einer Studie für Multiple Sklerose, NMOSD oder MOGAD teilgenommen hast oder dabei bist und über Deine Erfahrungen sprechen möchtest, melde dich gern bei mir. Ich würde mich sehr über deinen persönlichen Erfahrungsbericht freuen.

Beispielprompt zur Studiensuche mithilfe von KI

Suche im öffentlichen Bereich der CTIS-Datenbank (https://www.ctis.ema.europa.eu) nach allen aktuell rekrutierenden klinischen Studien zur Multiplen Sklerose (MS) in Deutschland, Österreich oder der Schweiz.

Gib mir bitte für jede Studie:
– den Studientitel
– eine kurze Beschreibung
– die Studienphase (z. B. Phase 2 oder 3)
– ob sie medikamentös oder beobachtend ist
– die Zielgruppe (RRMS, SPMS, PPMS, PMS allgemein)
– und den direkten Link zur jeweiligen Studienseite in der CTIS-Datenbank

Bis bald und mach das Beste aus Deinem Leben,

Nele

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Nele von Horsten

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