#321: KI-gestützte Neuklassifizierung von Multipler Sklerose – Ein innovativer Ansatz zum Verständnis von MS

Der heutige Artikel dreht sich um eine bahnbrechende Studie, die 2025 in Nature Medicine veröffentlicht wurde:

KI-gestützte Neuklassifizierung des Fortschreitens der Multiplen Sklerose.

Sie wurde von einem internationalen Forschungsteam unter der Leitung von Habib Ganjgahi, Dieter Häring, Fred Lublin, Ludwig Kappos, Heinz Wiendl und vielen weiteren Expert:innen durchgeführt. Die Analyse basierte auf Daten von über 8.000 Patient:innen, 118.000 klinischen Untersuchungen und 35.000 MRT-Scans. Damit ist sie eine der größten MS-Datenauswertungen, die jemals durchgeführt wurden.

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Inhaltsübersicht

Die klassische Art, MS zu unterscheiden

Bisher hat man Multiple Sklerose meistens in folgende Arten unterteilt:

  • Schubförmig remittierende MS (RRMS) – Schübe, auf die eine mehr oder weniger gute Erholung folgt.
  • Sekundär progrediente MS (SPMS) – stetige Verschlechterung nach einem schubförmigen Verlauf.
  • Primär progrediente MS (PPMS) – kontinuierliche Verschlechterung von Anfang an.

Diese Kategorien sind nützlich, beschreiben die Krankheit aber hauptsächlich von außen. Sie spiegeln nicht unbedingt wider, was biologisch im zentralen Nervensystem passiert.

Was die KI-gestützte Studie herausgefunden hat

Das Forschungsteam hat künstliche Intelligenz (KI), genauer gesagt maschinelles Lernen, eingesetzt, um versteckte Muster in Patient:innendaten zu finden.

Anstelle von drei starren Kategorien hat die KI gezeigt, dass MS anhand von vier Dimensionen beschrieben werden kann:

  1. Körperliche Behinderung – Auswirkungen auf den Alltag.
  2. Hirnschäden – Veränderungen, die im MRT sichtbar sind, wie Läsionen oder Atrophie (beschleunigter Gehirnvolumenverlust).
  3. Schübe – akute Verschlechterung der Symptome.
  4. Asymptomatische Aktivität – im MRT sichtbare Entzündung ohne Symptome.

Wichtige Erkenntnis: MS besteht nicht aus drei separaten Typen. Es handelt sich um ein Kontinuum.

Die vier neuen Meta-Zustände von MS

Aufgrund dieser Faktoren hat die KI vier Meta-Zustände vorgeschlagen:

  • Frühe/leichte/fortschreitende MS (EME – early, mild, evolving) – geringe Behinderung, minimale Veränderungen im Gehirn.
  • Asymptomatische Aktivität – stille Entzündung, die nur im MRT sichtbar ist.
  • Schub – akute Verschlechterung der Symptome.
  • Fortgeschrittene MS – höhere Behinderung, stärkere Hirnschäden, geringere Chancen auf eine Rückbildung.

Interessanterweise entwickeln Patient:innen selten direkt eine fortgeschrittene MS. In der Regel durchlaufen sie zunächst aktive Stadien – entweder Schübe oder stille Aktivität.

Warum das für Patient:innen wichtig ist

  • MS sollte man eher als ein Spektrum sehen und nicht als drei verschiedene Krankheiten.
  • Auch wenn man auf dem MRT nichts sieht, kann die Krankheit trotzdem weitergehen. Deshalb sind regelmäßige Untersuchungen und Anpassungen der Behandlung wichtig.
  • Eine frühe, wirksame Therapie hilft, dass Patient:innen länger in der EME-Phase bleiben.
  • Die traditionelle Unterscheidung zwischen SPMS und PPMS in fortgeschrittenen Stadien könnte an Bedeutung verlieren.

Weiterführende Links für mehr Infos

Wenn du mehr wissen willst:

  • Prof. Gavin Giovannoni hat in Episode 309 das Konzept der schwelenden MS erklärt. Dabei geht es um versteckte Krankheitsaktivität, die sich nicht nur in Schüben zeigt.
  • Prof. Tjalf Ziemssen hat in Episode 267 über zukünftige Behandlungsstrategien und Präzisionsmedizin gesprochen.

Beide Interviews passen super zu den Ergebnissen dieser KI-Studie.

Fazit

Diese neue Einteilung von MS ist noch nicht in der täglichen Klinikpraxis angekommen. Aber sie bietet einen vielversprechenden neuen Rahmen für:

  • besseres Patient:Innenmanagement,
  • individuellere Behandlung
  • und einfachere Entwicklung von Medikamenten.

MS ist komplex – aber mit modernen Tools wie KI kommen Forscher:innen und Ärzt:innen dem Verständnis der wahren Natur der Krankheit immer näher.

Bis bald und mach das Beste aus Deinem Leben,
Nele

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Nele von Horsten

Blogger & Patient Advocate

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Nele von Horsten

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