In dieser Folge ist Julia Fabich mein Gast – eine beeindruckende Frau mit viel Herz, Tiefgang und Lebensfreude. Sie ist psychologische Beraterin und Coach, engagiert sich für Female Empowerment und hat mit ihrem Buch „Mutig Magisch Mächtig“ vielen Frauen Mut gemacht, ihren eigenen Weg zu gehen.
Seit Mai 2024 lebt Julia mit der Diagnose Multiple Sklerose. Anstatt sich von dieser Nachricht lähmen zu lassen, hat sie beschlossen, ihre Erfahrungen bewusst zu teilen und anderen Menschen in ähnlichen Situationen Orientierung und Hoffnung zu geben.
Im Gespräch erzählt sie offen von den ersten Tagen nach der Diagnose, dem inneren Chaos und dem Moment, in dem sie beschlossen hat, wieder selbst aktiv zu werden. Sie spricht darüber, was Selbstwirksamkeit für sie bedeutet, wie sie heute auf ihr Leben schaut – und warum die MS ihr Coaching sogar noch tiefer und empathischer gemacht hat.
Ein inspirierendes Gespräch über den Weg vom Schock zur Stärke, über Vertrauen in den eigenen Körper und über die Kraft, das Leben mit all seinen Facetten anzunehmen.
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Vorstellung – Wer ist Julia Fabich?
Julia Fabich: Wer bin ich? Ich bin eine neugierige lebenslustige Frau, mit einem regen Geist und einer feinen Wahrnehmung, die kaum glauben kann, schon 48 Jahre alt zu sein. Ich bin Wienerin (wie man hört) mit Liebe zur großen weiten Welt. Ich bin seit 29 Jahren mit meinem Mann ein Liebespaar. Ich bin Mama von 3 wunderbaren Töchtern (19, 18 und 16) und Hundemama UND für diesen Podcast vielleicht besonders wichtig: ich bin MS-Patientin (auch wenn ich sehr gehofft habe, dass die Symptome nichts mit MS, sondern etwas mit der Perimenopause zu tun haben oder von einem eingeklemmten Nerv kommen).
Was ich beruflich mache? Ich bin psychologische Beraterin und Coach Mein Herz schlägt seit vielen Jahren für die Individualpsychologie und „Female Empowerment“.
Was mir gerade besonders wichtig ist? Ein gutes tiefes Gespräch mit dir zu führen, Nele, das uns beiden Spaß macht und aus dem die Zuhörer:innen etwas für sich mitnehmen können.
Diagnose und aktueller Status
Du hast im Mai 2024 die Diagnose MS erhalten. Kannst du uns mitnehmen in diesen Moment – wie hast du ihn erlebt?
Es war ein Schock. Ich hatte das Gefühl, mir wird der Boden unter den Füßen weggezogen. Ich konnte die weiteren Worte meines Neurologen nach „Wir haben jetzt die Gewissheit. Es handelt sich um Multiple Sklerose“ fast nicht mehr hören, als er mit mir weiter über die Therapiemöglichkeiten sprach. Und gleichzeitig, so seltsam das klingt, war etwas in mir erleichtert, dass es jetzt klar ist, was es wirklich ist UND ich empfand so etwas wie Glück im Unglück „etwas zu haben“, wozu schon richtig viel geforscht wurde und wird, wo richtig viel Geld hinfließt.
Wie ging es dir in den Wochen nach der Diagnose – körperlich, emotional, gedanklich?
Körperlich hat es immer noch auf der ganzen rechten Seite gekribbelt, wenn auch weniger (Ich hatte im Februar 2024 einen Schub der Ende Mai nach MRT und Lumbalpunktion zur Diagnose geführte).
Emotional war es eine Achterbahnfahrt. Und ich fahre nicht gerne Achterbahn. Ich konnte an nichts anderes denken. Gleichzeitig bracht mich das Denken nicht weiter. Und irgendwie war mein Kopf auch leer. Ich war in einer innerlichen Schockstarre. Ich war wie ferngesteuert. Oder auch anders ausgedrückt: es war eine seltsame Mischung zwischen Dahinschweben in einer Parallelwelt, und funktionieren in meinem Familienalltag.
Ich hatte gefühlt 1000 Fragen, weil ich alles über diese Krankheit wissen wollte und auch gar keine, weil ich einfach fassungslos war und mich alles überforderte. Die Worte „noch nicht heilbar“, „chronisch krank“, haben mir richtig Angst gemacht. Das Wort „Autoimmunkrankheit“ hat es nicht besser gemacht. Mein Körper machte sich also selbst kaputt. Wie hatte ich das nur angestellt. Ich habe mich schuldig gefühlt und gleichzeitig von meinem Körper im Stich gelassen. Da waren viel Ohnmacht, Wut, Trauer, Hilflosigkeit, Fragezeichen und auch Scham. Ich habe mich immer als „Leistungsträgerin“ empfunden und auf einmal hatte ich das Gefühl aus heiterem Himmel auf die andere Seite geschubst worden zu sein, dabei war ich eben noch bei der Gesundenuntersuchung und hatte überall top Werte.
Meine Gedanken sind davongaloppiert bei fast allem. Ich wohne im 2. Stock ohne Lift in einem wunderschönen Altbau. Ich bin gerne in der Natur. Wie lange geht das noch? Wie schnell wird die Krankheit schlechter? Und wie schlechter?
Ich habe in dieser ersten Zeit soziale Kontakt. Ich bin eine schlechte Lügnerin. Ich habe die Frage, „“Wie geht´s?“ nicht beantworten wollen und habe es gar nicht dazu kommen lassen. Man hat mir meinen Schub körperlich nicht angesehen und ich habe alles getan, damit das auch ja so bleibt. Ich war mit mir – und mein Leben am Laufen zu halten – beschäftigt.
Gab es einen Wendepunkt, an dem du gemerkt hast: „Ich will und kann wieder aktiv werden“?
Ich habe wohl irgendwann beschlossen der Diagnose nicht diese Macht über mich zu geben, die sie sich genommen hat.
Was hat dir in dieser ersten Zeit besonders geholfen – und was vielleicht gefehlt?
Ich habe die teilweise die Broschüren gelesen, die mir beim Neurologen in die Hand gedrückt wurden, was mir geholfen hat, aber auch wieder nicht. In der Hauptbibliothek ist mir das Buch von Anna Kraft in die Hände gefallen bei den Neuerscheinungen zusätzlichen zu anderen neurologischen Werken. Ich glaube Wissen ist Macht. Mir hilft verstehen. Und mir hilft es in der Natur zu sein, ins Grüne zu schauen meinem Geist, meiner Seele und meinem Körper eine Auszeit zu schenken. Wie ich immer mehr begonnen habe zu verstehen und meine Diagnose anzunehmen, ohne mich von ihr paralysieren zu lassen, ist auch das „Ich will und kann wieder aktiv werden“ zurückgekommen. Ich habe so schnell wie möglich für eine Therapie entschieden, war erleichtert, dass die dann auch tatsächlich für mich in Frage kam und war unglaublich erleichtert, dass ich sie vertragen haben. Ich habe in meiner Ernährung etwas umgestellt und begonnen in ein Fitnessstudio zugehen, das war vor kurzem noch völlig undenkbar für mich 😉
Mit MS leben – der persönliche Weg
Du beschreibst deinen Weg als einen aus der Schockstarre zurück in die Selbstwirksamkeit. Was bedeutet Selbstwirksamkeit für dich persönlich?
Selbstwirksamkeit bedeutet für mich, darauf zu vertrauen, dass ich mit meinen eigenen Fähigkeiten und Entscheidungen Einfluss auf mein Leben nehmen kann, auch in schwierigen Situationen. Es heißt, nicht ausgeliefert zu sein, sondern Schritt für Schritt meinen Weg aktiv zu gestalten.
Welche Rolle spielt dein eigenes Buch „Mutig Magisch Mächtig“ dabei – wie hat es dich selbst in dieser Zeit gestärkt?
Mein Buch Mutig Magisch Mächtig war für mich in dieser Zeit wie ein Anker. Es lag neben meinem Bett und die Tigerin auf dem Cover hat mich angeschaut. Es hat mich immer wieder daran erinnert, dass Mut nicht bedeutet, keine Angst zu haben, sondern trotzdem den nächsten Schritt zu gehen und dass wir alle viel kraftvoller sind, als wir manchmal glauben.
Was war die größte Herausforderung bisher im Umgang mit der MS – und wie bist du ihr begegnet?
Die größte Herausforderung war wohl die Unsicherheit, ob sich die Folgen vom Schub wieder völlig zurückbilden oder nicht. Geduld ist nicht meine Meisterdisziplin, und doch ist Geduld mit mir selbst echt etwas, wo ich eine hohe Lernkurve hingelegt habe. Eine zweite Herausforderung war das Kennenlernen des Uthoff-Phänomens. Bei Hitze kribbelt meine rechte Körperseite und ich bin mit der rechen Hand recht ungeschickt. Als ich noch nicht wusste, was das ist, dacht ich, ich hätte im Sommerurlaub in Südfrankreich womöglich einen neuen Schub. Heute weiß ich kalte Dusche hilft. Und im kühlen Wasser schwimmen.
Was hat sich für dich im Alltag am deutlichsten verändert – und was ist gleich geblieben?
Ich mache mehr Bewegung und Sport. Ich sage nur Fitnesscenter mit einem Grinsen Midance und Zumba, macht Spaß und ist gut für die Koordination. Ich nehme die Stufen statt der Rolltreppe und bin dankbar, das das geht. Ich bin lieber zu mir, sanfter, muss mir weniger beweisen und hab es dadurch lustiger mit mir selbst. Ich bekomme alle 6 Wochen zwei Spritzen. Sonst ist ziemlich viel gleich geblieben.
Gibt es etwas, das dich an dir selbst überrascht hat seit der Diagnose?
Ich kann kristallklar sein, in dem was ich will und was nicht. Ich schätze die guten kleinen Momente noch mehr.
Beruf und Berufung – Coaching mit neuer Tiefe
Du bist seit Jahren im Coaching tätig – wie hat die MS-Diagnose deinen Blick auf deine Arbeit verändert?
Es hat mich dazu geführt zu erkennen, dass ich weniger im Business Coaching und mehr in der psychologischen Beratung tätig sein möchte.
Du sagst, du möchtest etwas anbieten, das dir selbst gefehlt hat. Was genau ist das – und warum ist es aus deiner Sicht so wichtig?
Ich war in den ersten Wochen sehr mit mir beschäftigt, mit meinem Körper, Gedanken, Ängsten, Sorgen und ich fühlte mich sehr einsam. Ich wusste medizinisch bin ich in top Händen und das hat mich sehr erleichtert. Mir hat allerdings darüber hinaus ein Gegenüber gefehlt, dem ich nichts erklären muss, das genau versteht, was gerade in mir und mit mir passiert, mich hält und mir für einige Wochen einen geschätzten Raum gibt, wo ich nicht stark sein muss, wo ich alle meine Frage, Ängste, Sorgen in dieser ersten Zeit der Unsicherheit und Unwissenheit Platz haben, wo ich „meine Krankheit“ und mich verstehen lerne, sie verdauen kann diese Diagnose und zwar 1:1 bei jemandem der vom Fach ist (psychologische Beraterin und selbst MS-Betroffene). Ich wollte keine Selbsthilfegruppe und keine Psychotherapie.
In der ersten Zeit nach der Diagnose sind wir extrem verletzlich. Ich bin davon überzeugt, dass es für den Gesundheitsverlauf (das Wort Krankheitsverlauf mag ich nicht so gerne) wichtig ist, möglichst schnell wieder in die Selbstwirksamkeit zu kommen, aktiv und handlungsfähig zu werden, um keine wertvolle Zeit verstreichen zu lassen, gleichzeitig braucht es wirklich diesen Raum ohne Druck, ohne Drama, wo wir Zeit für uns haben, nur für uns selbst. Aus meiner Sicht ist das, was ich anbiete „präventiv“, quasi „antidepressiv“.
Wie erlebst du die Verbindung zwischen psychologischer Begleitung und der Verarbeitung einer Diagnose wie MS?
Ich empfinde sie als sehr wertvoll, weil ihm Rahmen der Verarbeitung der MS Diagnose, oft noch das ein oder andere „hochkommt“, was schon länger schlummert. Die Diagnose erlaubt Dinge im eigenen Leben zu verändern, mehr oder weniger radikal, die vorher unumstößlich schienen. Eine Krise kann eine Chance sein. Zuerst einmal ist die Diagnose aber meist nur Besch*.
Du machst aktuell einen Master in Adlerian Counseling. Was fasziniert dich an der Individualpsychologie – und wie kann sie Menschen mit MS unterstützen?
An der Individualpsychologie fasziniert mich, dass sie Körper, Geist und Seele als unteilbares Ganzes sieht und immer auch unsere Beziehungen mit im Blick hat. Und ich schätze an ihr, dass sie ihn kurzer Zeit Klienten nachhaltig weiterhilft. Sie ist lebensbejahend, ermutigend und nimmt uns als Gestalter:innen unseres Lebens in die Pflicht. Das kann auch anstrengend sein 😉
Du denkst darüber nach, deine Abschlussarbeit zum Thema Diagnoseschock und Selbstwirksamkeit bei MS zu schreiben – was reizt dich an dieser Forschungsfrage?
Einfach alles. Und ich weiß ich darf hier noch konkreter werden für die Masterarbeit. Ich freue mich schon sehr darauf qualitative Interviews zu führen. Den Leitfaden dafür entwickle ich bis November. Gerne an dieser Stelle eine Bitte und ein Aufruf, sich bei mir zu melden. Die MS Diagnose muss dafür nicht frisch sein. Ich verspreche es wird interessant und vergnüglich (über Zoom).
Blick nach vorn
Welche Entwicklung im Bereich der MS wünschst Du dir in den kommenden 5 Jahren – ganz persönlich, aber auch gesellschaftlich?
Wenn der Körper lernen könnte, die Myelinschicht einfach und ganz leicht wieder zu reparieren, das wäre schon richtig cool und sie gar nicht erst anzugreifen, wäre natürlich überhaupt großartig.
Was möchtest Du den Hörer:innen noch mitgeben?
Du bist nicht deine Diagnose. Du bist wertvoll, und zwar einfach, weil es dich gibt, unabhängig davon, wie viel du leistest oder nicht. Je eher du aus dem Diagnoseschock wieder auftauchst und deine Diagnose verdaust, desto eher kannst du das Leben bewusst genießen und vielleicht Dinge verändern und unternehmen, die du bis jetzt auf die lange Bank geschoben hast.
Wo findet man dich im Internet?
Gewinnspiel-Hinweis
Ich verlose auf meinem Instagram-Kanal @ms.perspektive ein Exemplar des Buches „Mutig Magisch Mächtig“ von Julia Fabich – mit persönlicher Widmung der Autorin 💫
👉 So machst du mit:
Schreibe bis zum 17. November 2025, 23:59 Uhr in die Kommentare unter dem entsprechenden Instagram-Post, was dich an diesem Buch besonders interessiert.
Der oder die Gewinner:in wird am 18. November 2025 per Direktnachricht auf Instagram informiert. Das Gewinnspiel läuft vom 10. bis 17. November 2025.
💬 Teilnahmebedingungen in Kürze:
Teilnahme ab 18 Jahren mit Wohnsitz in Deutschland, Österreich oder der Schweiz.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Das Gewinnspiel steht in keiner Verbindung zu Instagram oder Meta und wird in keiner Weise von diesen gesponsert, unterstützt oder organisiert.
Deine Daten werden ausschließlich zur Durchführung des Gewinnspiels verwendet und anschließend gelöscht.
Ich wünsche dir viel Glück 🍀 und bin gespannt, was dich an „Mutig Magisch Mächtig“ besonders anspricht! 💖
Bis bald und mach das Beste aus Deinem Leben,
Nele
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