Weihnachten kann magisch sein – und gleichzeitig ganz schön fordernd. Gerade mit Multipler Sklerose entsteht oft ein Spannungsfeld zwischen hohen Erwartungen, Familienritualen, Emotionen, sozialen Verpflichtungen und dem eigenen Energiehaushalt.
Damit die Feiertage nicht zur Belastung werden, sprechen wir im 13. MS-Kamingespräch darüber, wie man mit MS stressreduziert durch die Adventszeit kommt, seine Kräfte einteilt und Weihnachten so gestaltet, dass es wirklich gut tut.
Wir greifen viele Situationen auf, die Menschen mit MS besonders herausfordern:
vom Vorweihnachtstrubel mit Kindern über Ernährungs- und Plätzchenthemen, Winterkälte, Erschöpfung, Einsamkeit, Überforderung, Therapieplanung bis hin zu Motivation, Bewegung und Selbstfürsorge.
Und natürlich geht es auch um Humor, Gelassenheit und flexible Lösungen – denn Weihnachten muss nicht perfekt sein. Es darf leicht sein. Und es darf zu dir passen.
Mit diesem Gespräch möchten wir Mut machen, neue Wege auszuprobieren, Grenzen achtsam zu setzen und Weihnachten so zu gestalten, dass Freude und Entspannung wieder mehr Raum bekommen.
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Willkommen zum Kamingespräch
Nele: Schön, dass du wieder eingeschaltet hast. Willkommen zu unserem 13. MS-Kamingespräch „Weihnachten mit MS“. Und wunderbar, dass du wieder dabei bist, liebe Nadja.
Nadja: Guten Morgen! Ich bin heute so gut gelaunt, ich könnte mit einer Hand noch schnell einen Pullover stricken – oder wenigstens deinen Weihnachtsschal.
Nele: (lacht) Wir haben schon beim Brainstorming viel gelacht. 13 ist ja deine Glückszahl – perfekt also für eine Folge, in der wir viele gute Ideen für ein entspanntes Weihnachtsfest mit MS teilen.
Der Weihnachtsstress – und warum er so oft Mütter trifft
Nadja: Weihnachten bedeutet für viele Frauen vor allem Stress. Mit kleinen Kindern fühlt man sich für alles verantwortlich: Plätzchen, Krippenspiel, Geschenke, Deko. Irgendwann fragt man sich: Muss wirklich alles sein?
Gerade frisch diagnostizierten MS-Betroffenen möchte ich sagen: Vielleicht ist dieses Jahr ein Wendepunkt. Vielleicht darf es anders werden – aber genauso schön oder sogar schöner.
Nele: Oh ja! Und man muss wirklich nicht alles genauso machen wie in den Jahren davor. Veränderung kann sogar befreiend sein.
Plätzchen – gesund, einfacher oder einfach stressfrei
Nadja: Ich mache dieses Jahr zum ersten Mal gesündere Plätzchenvarianten – zum Beispiel mit Datteln, weniger Zucker oder Dinkelmehl statt Weißmehl. Viele Oma-Rezepte enthalten wahnsinnig viel Zucker, das geht auch anders.
Nele: (lacht) Bei kleinen Kindern und meinem Mann habe ich vorsichtig gemerkt: Gesund ist super – aber nur, wenn niemand nach dem ersten Bissen ruft: „Das kannst du alleine essen!“
Vielleicht macht man einfach zwei Sorten: eine für sich, eine in klassisch.
Nadja: Oder man macht zuerst die eigenen Plätzchen. Wenn’s keine anderen gibt, essen alle irgendwann auch die gesünderen – aus Verzweiflung sozusagen. (lacht)
Nele: 70 % Zucker reichen bei vielen traditionellen Rezepten völlig. 50 % dagegen können schon zu wenig sein.
Planung entstresst – und 70 % reichen auch hier
Nadja: Bei allem, was wir tun: Wir sollten nur 70 % einplanen – nicht 100. Das entschleunigt ungemein.
Und man kann viel vorbereiten: Ich koche unsere Weihnachtssuppe zwei Wochen vorher und friere sie ein. Auch die Brühe fürs Fondue mache ich vorab. Früher bin ich Heiligabend um sechs Uhr morgens aufgestanden, um alles frisch zu kochen – völlig irre. Heute genieße ich den Tag viel mehr.
Nele: Und sich einladen lassen ist auch eine Option! Meine Schwiegermutter liebt es, zu kochen – und wir dürfen kaum helfen. Auch das kann entspannen.
Nadja: Wer nicht eingeladen wird, kann Aufgaben verteilen: einer macht die Nachspeise, einer die Beilagen, einer die Getränke. Dann trägt niemand alleine den Stress.
Selbstfürsorge im Winter – Wärme, Kälte, kleine Rituale
Nele: Im Winter habe ich oft kalte Hände, früher als Angestellte war das richtig unangenehm, teils schmerzhaft. Da habe ich meine Sensibilitätsstörungen eines alten Schubs gemerkt. Kleine Übungen, Pulswärmer oder fingerfreie Handschuhe helfen sehr.
Nadja: Und lüften! Regelmäßig. Die trockene Heizungsluft macht sonst alles schlimmer – Haut, Schleimhäute, Kreislauf.
Ich habe außerdem Wärmflaschen wiederentdeckt. So simpel, aber so gut.
Nele: Ich liebe Wärmflaschen! Für Füße, Rücken, Bauch – je nachdem, wo gerade Wärme guttut. Und Duftkerzen machen es so gemütlich. Ich bin ganz im Weihnachtsmodus.
Nadja: Ich bin eher der Weihnachtstee-Typ, aber ja: Gemütlichkeit hilft enorm.
Oasen im Vorweihnachtstrubel
Nadja: Die Wochen vor Weihnachten sind mit Kindern oft überfüllt: Konzerte, Basteln, Veranstaltungen. Mütter müssen in dieser Zeit wahnsinnig performen.
Nele: Deshalb kleine Oasen schaffen: eine halbe Stunde nur für sich, Babysitter organisieren, einen Spaziergang machen, kurz meditieren. Das hilft wirklich – auch, wenn man kaum Zeit hat.
Einsamkeit – Wege heraus, neue Wege hinein
Nele: Manche sind an Weihnachten einsam – wegen MS oder aus anderen Gründen. Unser Tipp: Über Hobbys Kontakte knüpfen. Bücherclubs, Sportgruppen, Online-Treffen – vieles ist kostenlos.
Nadja: Und es gibt tolle Formate wie gemeinsames Abendessen über eine Plattform: Man gibt Interessen an, und dann wird man mit 5–6 Leuten zum Dinner gematcht. Meine Freundin macht das oft – und hat jedes Mal Spaß.
Nele: Wichtig: nicht vergleichen. Vergleichen macht unglücklich – gerade zu Weihnachten.
Nadja: Und die Komfortzone verlassen! Es fühlt sich erst unbequem an, aber es lohnt sich fast immer.
Das neue Normal – und wie man gut damit lebt
Nadja: Mit MS verändert sich manches. Es ist okay, wenn Dinge anders sind als früher. Das ist das neue Normal – und trotzdem kann man ein erfülltes Leben führen.
Nele: Erwartungen runterschrauben hilft enorm. Bei Kindern zum Beispiel: Irgendwann kippt die Stimmung wegen Reizüberflutung. Wenn man das vorher weiß, ist es entspannter, wenn es passiert.
Nadja: Und manchmal werden gerade die chaotischen Weihnachten zu den schönsten Erinnerungen – wie unser legendäres Magen-Darm-Fest, das wir am 3. und 4. Weihnachtstag nachfeiern mussten. (lacht)
Medikamente, Therapie & Physio – früh genug planen
Nadja: Vor Weihnachten schließen Praxen. Deshalb:
Habt ihr genug Medikamente? Rezepte?
Braucht ihr Physiotherapieübungen für die Feiertage? Einfach vorher klären, notieren oder abfilmen lassen – damit über die Feiertage nichts an wichtiger Bewegung ausfällt.
Nele: Gerade kleine Übungen kann man super zu Hause machen – manchmal sogar mit Kindern zusammen. Meine Große macht gern mit, die Kleine macht ihre eigene Version vom herabschauenden Hund. Manchmal lache ich so sehr, dass ich selbst fast umkippe.
Bewegung & Motivation – auch spielerisch
Nadja: Ich liebe Challenges! Neulich habe ich mit meinen erwachsenen Kindern Gewichte gehoben, weil sie meinten, ich schaffe das nicht. Und ich habe es natürlich geschafft!
Nele: (lacht) Sehr gut! Sich ein bisschen herausfordern – mit Humor – ist eine tolle Motivation.
Sich selbst loben – bitte unbedingt!
Nele: Viele von uns sehen nur, was noch zu tun ist. Kaum jemand feiert, was er schon geschafft hat.
Ich nutze Journaling:
Was habe ich geschafft?
Was steht an?
Was war noch und hat mich gebremst?
Das hilft, realistischer zu planen – und freundlicher mit sich zu sein.
Nadja: Ich kenne das Überpowern auch. Erst High Energy – und dann der totale Einbruch. Das Wichtigste: akzeptieren, dass man Erholung braucht. Das ist keine Schwäche.
Weihnachten: Es gibt immer entspannende Varianten
Nadja: Wenn ihr euch nicht stresst, habt ihr auch mehr Energie für die schönen Dinge.
Nele: Genau. Und es gibt so viele Wege, Stress rauszunehmen:
bestellen, vereinfachen, teilen, absagen, verändern.
Weihnachten muss nicht perfekt sein – nur schön für euch.
Ausblick
Nele: Im nächsten Podcast spreche ich mit Prof. Dr. Heinz Wiendl über das Erkennen einer schleichenden Verschlechterung bei MS – ein wichtiges und hochaktuelles Thema.
Und im nächsten MS-Kamingespräch im Januar werden wir unsere Challenge auswerten: 28 Tage hintereinander täglich 30 min. Sport. bei uns ist es meist Spazierengehen, aber erlaubt ist auch alles andere. Mach gern mit.
Nadja: Und wir wünschen euch eine wunderschöne, entspannte Weihnachtszeit – auf eure Art und in eurem Tempo.
Beide: Frohe Weihnachten!
Bisherige MS-Kamingespräche
- 12. MS-Kamingespräch zum Umgang mit Dämonentagen bei MS
- 11. MS-Kamingespräch zum ECTRIMS 2025
- 10. MS-Kamingespräch: Unsere persönlichen Top 10 Strategien für mehr Lebensqualität mit MS
- 9. MS-Kamingespräch – Stress bei MS? Du bist nicht allein!
- 8. MS-Kamingespräch: Lichterglanz und Lebensfreude. Weihnachten mit MS im Einklang
- 7. MS-Kamingespräch über den ECTRIMS allgemein und den Patient Day
- 6. MS-Kamingespräch über kleine Helferlein
- 5. MS-Kamingespräch über unangenehme Fragen zur MS
- 4. MS-Kamingespräch zur Arztwahl bei MS
- 3. MS-Kamingespräch zur Ernährung bei MS
- 2. MS-Kamingespräch zum Outing im Job und in Beziehungen
- 1. MS-Kamingespräch zur Reaktion anderer auf die Diagnose
Mehr zu Nadja Birkenbach
Wenn Du mehr über Nadja Birkenbach erfahren möchtest, dann empfehle ich Dir die Folge zum Interview mit ihr: #205: MS-Patenprogramm in München. Interview mit der Initiatorin Nadja Birkenbach
Wenn Du Fragen, Kommentare oder Anregungen hast, schreib uns gerne, dann nehmen wir das in eins der kommenden MS-Kamingespräche auf.
Bis bald und mach das Beste aus Deinem Leben,
Nele
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