Menopause und MS – zwei wichtige Themen, die sich im Leben vieler Frauen überschneiden. Etwa 90 % aller Frauen mit Multipler Sklerose (MS) bekommen ihre Diagnose vor der Menopause. Das heißt, wenn die hormonellen Veränderungen anfangen, leben sie meist schon seit vielen Jahren mit MS – und plötzlich ändern sich ihre Symptome, ihr Energieniveau, ihr Schlaf und ihre kognitiven Leistungen.
In dieser aus dem englischen Podcast übersetzten Folge spreche ich mit Dr. Riley Bove, außerordentliche Professorin für Neurologie an der University of California, San Francisco (UCSF). Dr. Bove ist MS-Neurologin und klinische Wissenschaftlerin, die erforscht, wie sich die Menopause auf das Gehirn, den Schweregrad der Erkrankung und die Lebensqualität von Frauen mit MS auswirkt. Sie erklärt die hormonellen Veränderungen, die während der Perimenopause auftreten, warum sich die Symptome von MS und Menopause so stark überschneiden und was dies für die Diagnose, Behandlung und den Alltag bedeutet.
Außerdem redet sie über die Hormonersatztherapie (HRT), sogenannte bioidentische Hormone, Biomarker wie die leichte Kette des Neurofilaments (NfL), Forschungslücken – und gibt super praktische Tipps: Wann sollte ich mit meinem Neurologen über die Menopause reden? Was muss ich bei einer Hormontherapie beachten? Und warum ist es so wichtig, diese Lebensphase für einen Gesundheitscheck zu nutzen?
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Über Dr. Riley Bove
Dr. Riley Bove, außerordentliche Professorin für Neurologie an der UCSF:
Ich bin Neurologin, spezialisiert auf Multiple Sklerose und arbeite seit gut zehn Jahren an der University of California in San Francisco. Bevor ich mich der Neurologie zuwandte, habe ich Anthropologie studiert und mich dabei auf die Gesundheit von Frauen in ihrem breiteren sozialen, kulturellen, medizinischen und sogar evolutionären Kontext konzentriert. Ich habe mich schon immer dafür interessiert, wie sich veränderte Verhaltensweisen, Kulturen und Gesundheitssysteme auf die Gesundheit von Frauen auswirken – und MS ist ein gutes Beispiel dafür, wie Kultur und Medizin insbesondere die Lebensumstände von Frauen beeinflussen.
Was hat dich dazu gebracht, dich mit der Menopause und MS zu beschäftigen?
Dr. Riley Bove:
Ein Ausgangspunkt für mich war ein wegweisendes Buch der medizinischen Anthropologin Margaret Lock, die die Menopause in Nordamerika und Japan verglichen hat. Sie hat gezeigt, dass die Erfahrungen von Frauen – kulturell, emotional, familiär, individuell – und sogar biologische Symptome wie Hitzewallungen sich je nach Kultur unterscheiden. Das hat mich total fasziniert.
Wenn man sich dann die Menopause bei Frauen mit MS ansieht, zeigt sich ein weiteres Muster: Etwa 90 % der Frauen mit MS werden vor der Menopause diagnostiziert. Die meisten von ihnen kommen also bereits mit MS in die Perimenopause und Postmenopause. Das wirft wichtige Fragen auf: Was bedeutet es, sowohl mit MS als auch mit der Menopause zu leben? Wie wird sich MS nach der Menopause, in den postmenopausalen Jahren, verändern? Beide Phasen – der Übergang und die Jahre danach – sind für Frauen mit MS wirklich wichtig.
Welche hormonellen Veränderungen treten während der Wechseljahre auf, vor allem in der Perimenopause?
Dr. Riley Bove:
Wenn die Anzahl der Follikel im Eierstock abnimmt, kommt es zu einer ganzen Reihe von hormonellen Veränderungen. Normalerweise sinkt zuerst der Progesteronspiegel. Später, in den späten reproduktiven Jahren und in der Perimenopause, wird der Östrogenspiegel unbeständig – manchmal ist er super hoch, manchmal super niedrig.
Sobald keine Follikel mehr vorhanden sind, sinkt die Östrogenproduktion kontinuierlich. Interessanterweise diagnostizieren wir die Perimenopause oder Menopause normalerweise nicht durch direkte Messung von Östrogen oder Progesteron, da diese Werte so stark schwanken. Stattdessen betrachten wir das FSH (follikelstimulierendes Hormon) – ein Hormon, das im Gehirn produziert wird. Wenn der Östrogenspiegel sinkt, „gibt das Gehirn Gas“ und erhöht den FSH-Spiegel, um die Eierstöcke zu stimulieren.
In der Perimenopause beginnen die FSH-Werte zu steigen; in der Postmenopause bleiben sie erhöht. Bei Frauen, die menstruieren, achten wir auch auf das Ausbleiben der Periode im Laufe der Zeit. Der Übergang kann mehrere Jahre dauern, und das genaue Muster ist von Frau zu Frau unterschiedlich. Insgesamt zeichnet sich jedoch ein Bild von sinkendem Östrogen, sinkendem Progesteron und einem Anstieg des FSH ab.
Sind alle Frauen gleich betroffen oder gibt es große Unterschiede von Person zu Person?
Dr. Riley Bove:
Es gibt große Unterschiede von Person zu Person. Was man im Leben so erlebt – wie Rauchen und andere Sachen, denen man früher ausgesetzt war – kann sowohl den Zeitpunkt der Menopause als auch die Art und Weise beeinflussen, wie man den Übergang empfindet.
Wenn wir an klassische Wechseljahrsbeschwerden denken, kommen uns zuerst vasomotorische Symptome in den Sinn: Hitzewallungen, nächtliches Schwitzen, kalter Schweiß. Manche Frauen kommen mit sehr leichten Symptomen durch die Wechseljahre. Andere sind stark betroffen, mit Hitzewallungen Tag und Nacht, schweren Schlafstörungen und einer großen Beeinträchtigung ihrer Alltagsfunktionen.
Darüber hinaus können viele weitere Symptome auftreten:
- Müdigkeit
- Stimmungsschwankungen wie Depressionen und Reizbarkeit
- Gelenkschmerzen und Steifheit
- Schultersteife
- Veränderungen der Blase und des Darms
- verminderte Libido
Für Frauen mit MS ist dies besonders schwierig, da all dies auch typische MS-Symptome sind. Hier wird die Überschneidung zwischen MS und Menopause sehr deutlich.
Wie gut wissen Ärzt:innen – wie Neurolog:innen und Gynäkolog:innen – über die Auswirkungen der Menopause auf die Gesundheit Bescheid?
Dr. Riley Bove:
Bis vor etwa drei oder vier Jahren hatten wir überraschend wenig Daten und kaum strukturierte Schulungen. Große Kohortenstudien haben die Veränderungen in den Wechseljahren oft nicht gut erfasst.
Vor allem Neurolog:innen hatten kaum Schulungen zur „Neurologie der Menopause”. Die Menopause wurde als ein Thema für die Lebensqualität von Frauen gesehen, als ein Thema für die Gynäkologie – nicht als ein Thema für die Gesundheit des Gehirns. Wenn ich Neurolog:innen auf Konferenzen frage, wer auch nur eine Stunde Schulung zur Menopause und zur Gesundheit des Gehirns hatte, heben nur wenige die Hand.
Die gute Nachricht: Das Interesse steigt gerade enorm. Es gibt mehr Forschung zu den Wechseljahren und der Alterung des Gehirns, mehr langfristige epidemiologische Studien und mehr Bemühungen, den Bildungsrückstand aufzuholen. Trotzdem sind viele Neurolog:innen noch nicht gut genug vorbereitet, um klar zwischen Perimenopause und Postmenopause zu unterscheiden oder eine frauenzentrierte Perspektive in die MS-Behandlung einzubeziehen.
Kannst du bitte erklären, was bioidentische Hormone sind und wie sie sich von der klassischen Hormontherapie unterscheiden?
Dr. Riley Bove:
„Bioidentische Hormone“ ist ein Begriff, der nicht so klar definiert ist. Im Grunde geht es darum, dass diese Stoffe die Hormone nachahmen, die unser Körper produziert. Sie kommen oft aus pflanzlichen Quellen und werden als „natürlicher“ angesehen.
Allerdings gibt es große Unterschiede bei den Rezepturen und Teststandards. Im Vergleich zu traditionelleren synthetischen Hormonprodukten kann es schwieriger sein, genau zu wissen, was man in Bezug auf Dosierung und Wirkung erwarten kann. Viele Frauen fühlen sich zu bioidentischen Hormonen hingezogen, weil sie natürlicher klingen, während Ärzte sie aufgrund der mangelnden Standardisierung manchmal als Herausforderung empfinden.
Was sind die Vorteile und Risiken einer Hormontherapie für Frauen mit MS während oder nach den Wechseljahren?
Dr. Riley Bove:
Zuerst mal ist es gut, die kurzfristigen Vorteile während der Wechseljahre von den möglichen langfristigen Auswirkungen zu trennen.
Die großen Gesellschaften für Menopause sind sich einig, dass die systemische Menopause-Hormontherapie (MHT) die effektivste Behandlung für vasomotorische Symptome wie Hitzewallungen und nächtliche Schweißausbrüche ist. Systemisch bedeutet, dass Östrogen für den ganzen Körper gegeben wird, oft zusammen mit einem Gestagen, wenn die Frau eine Gebärmutter hat (um die Gebärmutterschleimhaut zu schützen).
Kurzfristig kann eine systemische Hormontherapie:
- Hitzewallungen und nächtliche Schweißausbrüche deutlich reduzieren
- den Schlaf verbessern
- urogenitale Symptome lindern
- die Knochendichte unterstützen
- die allgemeine Lebensqualität verbessern
Wir unterscheiden dies von lokalem vaginalem Östrogen, das hauptsächlich gegen vaginale Trockenheit und lokale urogenitale Beschwerden eingesetzt wird und nur sehr geringfügig systemisch resorbiert wird.
Für die langfristigen Risiken und Vorteile ist die Women’s Health Initiative (WHI) entscheidend. Sie zeigte erhöhte Risiken, wenn die Hormontherapie bei Frauen in den Sechzigern begonnen wurde, was zu einer allgemeinen Befürchtung führte, dass die Hormonersatztherapie „für alle schlecht” sei. Wenn man sich aber Frauen genauer ansieht, die innerhalb von etwa fünf Jahren nach ihrer letzten Periode mit der Therapie begonnen haben – dem sogenannten „Zeitfenster“ –, ergibt sich ein anderes Bild: geringeres Risiko für bestimmte Krebsarten, geringeres Risiko für Herzerkrankungen, geringere Gesamtsterblichkeit und verbesserte Knochendichte. Gleichzeitig besteht ein leicht erhöhtes Risiko für Blutgerinnsel und Schlaganfälle, das bei transdermalem Östrogen (über die Haut) im Vergleich zu oralen Formen geringer zu sein scheint.
Bei Frauen mit MS ist das Risiko-Nutzen-Profil weitgehend ähnlich wie bei der Allgemeinbevölkerung, mit ein paar zusätzlichen Punkten:
- Wenn die Mobilität sehr eingeschränkt ist, kann das Gerinnungsrisiko höher sein, sodass transdermales Östrogen oft bevorzugt wird.
- Hitzewallungen können MS-Symptome verschlimmern, da Hitze neurologische Symptome vorübergehend verschlimmern kann – ein Phänomen, das als Uhthoff-Phänomen bekannt ist (hitzeinduzierte Verschlimmerung bestehender neurologischer Defizite). Die Reduzierung von Hitzewallungen kann daher dazu beitragen, symptomatische „Pseudorückfälle” zu verhindern und die Alltagsfunktionen zu verbessern.
- Die große offene Frage: Ist Östrogen bei MS langfristig wirklich neuroprotektiv? Beobachtungsdaten deuten auf einen möglichen Schutz vor kognitivem Verfall und Demenz hin, aber es fehlen noch ausreichend lange Interventionsstudien, um dies mit Sicherheit sagen zu können.
Wann könnte es zu spät sein, mit der Hormontherapie anzufangen?
Dr. Riley Bove:
Derzeit konzentriert man sich auf dieses „Zeitfenster“: ungefähr in den ersten fünf Jahren nach der letzten Periode oder etwas früher in der späten Perimenopause.
Die Idee dahinter ist, dass die Östrogenrezeptoren im Körper und im Gehirn daran gewöhnt sind, regelmäßig Östrogen zu bekommen. Viele Jahre nach der Menopause haben sie sich vielleicht an eine Umgebung mit wenig Östrogen angepasst. Wenn man das System dann wieder mit Östrogen „überflutet”, scheint das Risiko von Nebenwirkungen höher zu sein. Deshalb versuchen wir, die systemische Hormonersatztherapie auf dieses frühere Zeitfenster zu beschränken, es sei denn, es gibt ganz bestimmte individuelle Gründe, die dagegen sprechen.
Wie passt eine Hormonspirale in dieses Bild? Merken Frauen trotzdem die Wechseljahre?
Dr. Riley Bove:
Eine Hormonspirale gibt in der Regel ein Gestagen ab, kein Östrogen. Es wirkt hauptsächlich auf die Gebärmutterschleimhaut und liefert nicht das systemische Östrogen, das wir mit der Linderung von Wechseljahrsbeschwerden oder langfristigen Auswirkungen in Verbindung bringen.
Frauen mit Hormonspiralen haben oft nur sehr leichte oder gar keine Blutungen, sodass man sich nicht auf die Periode verlassen kann, um zu bestimmen, wo sie sich im reproduktiven Lebenszyklus befinden. Wenn die Eierstöcke noch vorhanden sind, durchlaufen sie trotzdem die Perimenopause und Menopause – nur ohne das klare Signal der letzten Periode.
In solchen Fällen beurteilen wir die Menopause anhand der Symptome und FSH-Werte, ähnlich wie bei Frauen, die eine Hysterektomie (Entfernung der Gebärmutter) hatten und auch keine Periode mehr haben.
Was geht aus deiner Forschung hervor: Wie beeinflusst die Menopause den Krankheitsverlauf bei MS?
Dr. Riley Bove:
Am Anfang haben wir uns die Expanded Disability Status Scale (EDSS) angeschaut. Das ist eine ziemlich grobe Methode, um Behinderungen zu messen, und sie ist nicht besonders empfindlich für kleine Veränderungen. Verschiedene Gruppen haben unterschiedliche Muster gesehen, was zum Teil davon abhing, wie stark die Frauen bei Eintritt in die Wechseljahre behindert waren und wie lange sie beobachtet wurden.
Um ein genaueres Bild zu bekommen, sind wir zu detaillierteren Methoden übergegangen: Biomarker und quantitative Funktionstests.
Welche Veränderungen hast du bei den funktionellen Ergebnissen und Biomarkern wie den Neurofilament-Leichtketten beobachtet?
Dr. Riley Bove:
In unserer aktuellen Studie haben wir uns mit folgenden Themen beschäftigt:
- Neurofilament-Leichtketten (NfL) im Blut – ein Biomarker für neuroaxonale Schädigungen und das Fortschreiten von Behinderungen.
- Den MS Functional Composite (MSFC) – ein kombiniertes funktionelles Ergebnis, das einen kognitiven Test, einen Geschicklichkeitstest und einen Gehtest umfasst.
Sowohl bei NfL als auch bei MSFC haben wir festgestellt, dass die Abwärtskurve nach den Wechseljahren etwas steiler ist als davor. Es ist kein dramatischer Einbruch, aber die Wechseljahre scheinen ein Wendepunkt zu sein, an dem biologisches Altern, reproduktives Altern und chronologisches Altern zusammenkommen und das Altern des Gehirns leicht beschleunigen.
Was wissen wir über die mögliche schützende Wirkung von Sexualhormonen wie Östrogen bei MS?
Dr. Riley Bove:
Beobachtungsstudien in der allgemeinen Bevölkerung zeigen, dass der Zeitpunkt und die Art der Menopause langfristige Spuren im Gehirn hinterlassen. Frauen mit einer früheren oder abrupten Menopause – zum Beispiel nach der operativen Entfernung beider Eierstöcke – haben ein höheres Risiko für kognitiven Verfall, Alzheimer, Parkinson und leichte kognitive Beeinträchtigungen.
Das deutet stark darauf hin, dass Eierstockhormone, einschließlich Östrogen, eine schützende Rolle für die Gesundheit des Gehirns spielen. Bei MS gibt es Hinweise in Beobachtungsdaten, dass Östrogene die kognitiven Fähigkeiten und die allgemeine Gesundheit des Gehirns unterstützen könnten. Es fehlen jedoch noch große, langfristige Interventionsstudien, in denen Frauen um die Menopause herum mit einer Hormontherapie beginnen und über viele Jahre hinweg mit detaillierten kognitiven Tests und Bildgebungsverfahren beobachtet werden.
Die Hypothese ist also klar – Östrogen könnte neuroprotektiv wirken –, aber wir haben diese Frage noch nicht „richtig gestellt” in Studien, die darauf ausgelegt sind, sie zu beweisen oder zu widerlegen.
Was würdest du Frauen mit MS raten, die kurz vor der Menopause stehen oder sich gerade in dieser Phase befinden?
Dr. Riley Bove:
Auch wenn wir noch nicht wissen, ob „alles richtig machen” in den Wechseljahren Frauen später komplett schützt, haben wir eine Hypothese – und es ist wichtig, dass wir es versuchen.
Normalerweise fange ich mit Frauen mit MS im Alter von 45 Jahren an zu reden. Das Durchschnittsalter der natürlichen Menopause bei Frauen mit MS scheint mit dem der allgemeinen Bevölkerung ähnlich zu sein – etwa 51 Jahre. Einige kommen früher in die Wechseljahre, andere später. Vielleicht bist du noch nicht kurz vor deiner letzten Periode, aber du solltest vorbereitet sein.
Meine wichtigsten Botschaften:
- Erwarte Veränderungen, ohne in Panik zu geraten. Wenn du jahrelang stabil warst und sich die Symptome plötzlich verschlimmern – mehr Müdigkeit, Schlafprobleme, Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen –, könnte es sich um die Perimenopause handeln und nicht um ein Fortschreiten der MS.
- Leide nicht still vor dich hin. Wenn Hitzewallungen dich stören, solltest du sie behandeln lassen – mit einer Hormontherapie für die Wechseljahre oder mit nicht-hormonellen Medikamenten. Es gibt sogar ein neueres nicht-hormonelles Medikament, das speziell gegen Hitzewallungen wirkt, sowie Antidepressiva und Gabapentin, die ebenfalls helfen können.
- Nutze diese Zeit als „Gesundheitscheck in der Lebensmitte”. Geh ein paar Jahre lang etwas öfter zu deinem Neurologen und Hausarzt. Lass dich auf Depressionen, Schlafstörungen, Blasen- und Darmprobleme sowie Gelenkschmerzen untersuchen – und behandle diese proaktiv.
- Denk über MS hinaus. Achte auf kardiovaskuläre Risikofaktoren, die Gesundheit deiner Schilddrüse, Krebsvorsorge, gynäkologische Untersuchungen und dein soziales Wohlbefinden. All diese Begleiterkrankungen und sozialen Faktoren können den Verlauf der MS beeinflussen.
Welche Strategien für den Lebensstil könnten helfen – mit oder ohne Hormontherapie?
Dr. Riley Bove: Für vasomotorische Symptome wurden ein paar nicht-medikamentöse Ansätze untersucht:
- Akupunktur
- Hypnose
- Nervenblockaden
Die Beweislage ist noch nicht abschließend geklärt, aber manche Frauen empfinden diese Methoden als hilfreich. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Gewichtsregulierung, wobei sich in den USA der Trend abzeichnet, GLP-1-Agonisten (eine Klasse von Medikamenten zur Gewichtsreduktion und zur Behandlung von Diabetes) mit einer Hormontherapie in den Wechseljahren zu kombinieren – ein weiterer Bereich, den wir bei MS noch besser verstehen müssen.
Genauso wichtig ist ein gut geregelter Schlaf. Guter Schlaf macht Menschen widerstandsfähiger gegenüber Symptomen, die tagsüber auftreten. Manchmal bedeutet das, die Schlafhygiene zu optimieren, manchmal Schlafstörungen zu untersuchen, manchmal sorgfältig Schlafmittel einzusetzen.
Und dann gibt es noch praktische Strategien für den Alltag:
- Sich in Schichten kleiden, um Hitze- und Kältephasen zu bewältigen.
- Die anspruchsvollsten körperlichen oder kognitiven Aufgaben früher am Tag planen.
- Kühlungsstrategien, wo nötig, insbesondere bei MS-bedingter Hitzeempfindlichkeit.
Was sind die größten Forschungslücken in Sachen Menopause und MS?
Dr. Riley Bove:
Ich denke, wenn wir unseren Patientinnen wirklich zuhören, wissen wir schon ziemlich viel über die Perimenopause. Viele Neurolog:innen, die Hunderte von Frauen mit MS durch die Lebensmitte begleitet haben, hören immer wieder die gleichen Themen. Wir haben auch angefangen, praktische Behandlungsrichtlinien zu erstellen, um Ärzt:innen zu helfen, diese Probleme systematisch anzugehen.
Die großen Forschungslücken sind:
- Kognition: Wie genau wirkt sich die Menopause langfristig auf die kognitiven Funktionen von Frauen mit MS aus?
- Langfristige Verläufe: Wir brauchen große, langfristige Kohorten, die Frauen über die Menopause hinaus mit guten Phänotypisierungen, Bildgebungsverfahren und Biomarkern begleiten.
- Mechanismen und veränderbare Wege: Über welche biologischen Wege beeinflusst die Menopause die Gesundheit des Gehirns bei MS – und wie können wir eingreifen?
Welche Entwicklungen würdest du dir in den nächsten fünf Jahren am meisten wünschen?
Dr. Riley Bove:
Ich würde mir wünschen, dass wir robuste Kohorten von Frauen mit MS aufbauen, die während der Perimenopause und darüber hinaus sorgfältig beobachtet werden. Im Idealfall würden diese Kohorten Folgendes umfassen:
- detaillierte kognitive Tests
- wiederholte Biomarker-Messungen (wie NfL)
- Bildgebung
- und eine Untergruppe von Frauen mit chirurgischer Menopause, da deren Menopause einen klar definierten Beginn hat und eine Art „natürliches Experiment” darstellen kann.
Mit solchen Daten könnten wir endlich die wichtigsten Fragen zu Kognition, Biomarkern und langfristiger Gehirngesundheit in Bezug auf die Menopause und MS stellen – und beantworten.
Was würdest du gerne Patient:innen, Pflegekräften, Ärzt:innen und Forscher:innen sagen?
Dr. Riley Bove:
Erstens müssen wir die Erfahrungen der Patientinnen ernst nehmen. Viele Frauen erzählen von ähnlichen Sachen: sich überschneidende Symptome, Sorgen über das Fortschreiten der Krankheit, Bedenken wegen ihrer kognitiven Fähigkeiten und ihrer Lebensqualität. Wir müssen genau zuhören und diese Sorgen ernst nehmen.
Zweitens möchte ich, dass die Behandlungsteams gemeinsam und umfassend denken: Neurolog:innen, Gynäkolog:innen, Hausärzt:innen, Psycholog:innen, Reha-Spezialist:innen. Vorbeugung, Symptombehandlung und ganzheitliche Betreuung sind entscheidend für das Wohlbefinden in den Wechseljahren – und können auch langfristig für die Gesundheit des Gehirns wichtig sein.
Wie und wo kann man deine Forschung verfolgen oder mit dir in Kontakt treten?
Dr. Riley Bove:
Ihr könnt mich gerne per E-Mail über die UCSF kontaktieren und unsere Labor-Website unter bovelab.ucsf.edu besuchen. Dort findet ihr weitere Infos zu unserer Forschung, unseren Veröffentlichungen und laufenden Studien zu den Themen Frauengesundheit, Menopause und MS.
Verabschiedung
Dr. Riley Bove:
Danke, dass du dieses Thema angesprochen hast – es ist echt wichtig für unsere Patientinnen. Ich hoffe, unsere Diskussion ermutigt Frauen mit MS, ihre Familien und ihre Betreuungsteams, offener über die Wechseljahre zu reden und gemeinsam an einer umfassenden, gehirngesunden Versorgung während der Lebensmitte und darüber hinaus zu arbeiten.
Bis bald und mach das Beste aus Deinem Leben,
Nele
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