#345: Finanzielle Bildung für Frauen mit Claudia Müller: Selbstbestimmt leben – besonders mit chronischer Erkrankung

Illustration einer Frau, die entspannt in einem Sessel sitzt und auf einem Laptop arbeitet. Um sie herum sind Symbole für Geld, Prozentzeichen und steigende Diagramme zu sehen. Das Bild steht für finanzielle Bildung, langfristige Geldanlage und selbstbestimmte Entscheidungen von Frauen.

Finanzielle Bildung für Frauen mit chronischer Erkrankung ist kein Luxus, sondern eine zentrale Voraussetzung für Selbstbestimmung. Gerade wenn das Leben – etwa durch Multiple Sklerose – weniger planbar wird, braucht es Klarheit, Wissen und finanzielle Sicherheit. In dieser Podcastfolge spreche ich mit Claudia Müller, Gründerin des Female Finance Forums, über Geld, Glaubenssätze, Vorsorge, nachhaltiges Investieren und finanzielle Fairness in Beziehungen.

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Inhaltsverzeichnis

Vorstellung & Einstieg

Für alle, die dich noch nicht kennen: Magst du dich bitte kurz vorstellen?

Claudia Müller: Sehr gerne. Ich bin Claudia Müller. Ich bin Finanzexpertin und Gründerin des Female Finance Forums. Wir setzen uns für finanzielle Bildung ein – vor allem für Frauen. Unser Schwerpunkt liegt auf nachhaltiger Geldanlage. Also darauf, wie wir unser Geld so investieren können, dass es uns selbst zugutekommt, etwa für die Altersvorsorge, ohne dabei Kinderarbeit, Rüstungsindustrie oder fossile Energieträger zu unterstützen. Und ganz wichtig: Wir verkaufen keine Finanzprodukte. Es geht wirklich um Bildung und Empowerment.

Hinweis: Hier geht es zum ersten Interview mit Claudia Müller: „Warum es wichtig und richtig ist, dass Du dich mit Geld auskennst“

Porträtfoto von Claudia Müller, Finanzexpertin und Gründerin des Female Finance Forums. Sie steht lächelnd mit verschränkten Armen vor einer Glasfassade und blickt selbstbewusst in die Kamera.

Gründung & Motivation

Du setzt dich seit Jahren für finanzielle Bildung speziell für Frauen ein. Was war dein persönlicher Antrieb, das Female Finance Forum zu gründen?

Claudia Müller:
Ich habe früher bei der Deutschen Bundesbank gearbeitet und mich dort mit nachhaltiger Geldanlage beschäftigt. Das fand ich fachlich total spannend. Gleichzeitig habe ich in Studien und Gesprächen immer wieder gesehen: Frauen verdienen weniger, investieren seltener und haben am Ende weniger Rente – obwohl sie im Schnitt länger leben. Das heißt, sie müssen mit weniger Geld ein längeres Leben finanzieren. Und das ist kein historisches Problem, sondern heute noch genauso relevant, vor allem sobald Frauen Mütter werden. Das war für mich der Punkt, an dem ich gesagt habe: Genau hier müssen wir ansetzen.

Finanzielle Unabhängigkeit & gesellschaftliche Prägung

Warum ist dir finanzielle Selbstbestimmung von Frauen ein so großes Anliegen?

Claudia Müller: Weil finanzielle Abhängigkeit immer ein Risiko ist. Sie schränkt Entscheidungen ein – beruflich, privat und gesundheitlich. Frauen tragen häufig die Hauptlast der Care-Arbeit, arbeiten in Teilzeit und schöpfen ihr Karrierepotenzial nicht aus. Das ist nicht nur ein Einkommensproblem, sondern ein langfristiger Effekt über Jahrzehnte. Diese Lücke summiert sich – und das macht finanzielle Bildung so entscheidend.

Warum tun sich so viele Frauen auch heute noch schwer mit dem Thema Finanzen?

Claudia Müller: Der größte Faktor sind gesellschaftliche Glaubenssätze. Frauen erleben sehr früh, dass Geld als „Männersache“ gilt. Dazu kommt, dass Frauen bei Bankberatungen oft nicht ernst genommen werden. Studien zeigen: Selbst bei gleichem Einkommen und Vermögen bekommen Frauen schlechtere, teurere und weniger renditestarke Produkte empfohlen. Das verunsichert. Gleichzeitig verwalten Frauen im Alltag Haushaltsbudgets extrem kompetent. Sie sind also gut mit Geld – nur wird ihnen diese Kompetenz nicht als finanzielle Stärke zugeschrieben.

Gesellschaftliche Strukturen & Gender Pay Gap

Du hast vorhin schon den Gender Pay Gap und den Care Gap angesprochen. Kannst du noch einmal genauer erklären, wie dieser Gender Pay Gap eigentlich entsteht?

Claudia Müller: Sehr gern, denn da gibt es ein großes Missverständnis. Viele denken beim Gender Pay Gap an eine direkte Ungleichbezahlung – also dass Frauen für die gleiche Arbeit weniger Geld bekommen. Das gibt es zwar auch, aber das ist nur ein kleiner Teil des Problems.

In Deutschland liegt der sogenannte unbereinigte Gender Pay Gap aktuell bei rund 16 bis 18 Prozent. Das bedeutet: Frauen verdienen im Durchschnitt pro Stunde etwa ein Sechstel weniger als Männer. Entscheidend ist aber, wie diese Lücke entsteht.

Der größte Faktor ist nicht die einzelne Stunde, sondern der Karriereverlauf.

Welche Faktoren spielen dabei konkret eine Rolle?

Claudia Müller: Der wichtigste Einschnitt ist nach wie vor die Familiengründung. Ab dem Moment, in dem Kinder da sind, verändert sich der Erwerbsverlauf von Frauen massiv – und der von Männern kaum.

Frauen arbeiten deutlich häufiger in Teilzeit, oft nicht freiwillig, sondern weil:

  • Betreuungszeiten fehlen oder unflexibel sind

  • Kinder krank werden und kurzfristige Betreuung brauchen

  • Pflegearbeit in der Familie anfällt

Teilzeit bedeutet aber nicht nur weniger Stunden. Das eigentliche Problem ist:
In Teilzeit bekommt man seltener die spannenden Projekte,
seltener Führungsverantwortung,
seltener Beförderungen
und seltener Gehaltssprünge.

Das Karrierepotenzial wird nicht ausgeschöpft – und genau das wirkt sich über Jahrzehnte aus.

Das heißt, der Gender Pay Gap ist eigentlich ein langfristiger Effekt?

Claudia Müller:
Ganz genau. Der finanzielle Schaden entsteht nicht im ersten Jahr Teilzeit, sondern über 10, 20 oder 30 Jahre.
Weniger Beförderungen bedeuten:

  • geringeres Gehalt

  • weniger Rentenpunkte

  • weniger betriebliche Altersvorsorge

  • weniger Spielraum für private Geldanlage

Dieser Effekt wird zusätzlich verstärkt durch den Care Gap – also die Tatsache, dass Frauen deutlich mehr unbezahlte Sorgearbeit leisten. In Deutschland sind das im Schnitt mehrere Stunden pro Tag mehr als Männer.

Finanzielle Basics: Klarheit statt Unsicherheit

Welche Grundlagen sollte jede Frau kennen, bevor sie investiert oder größere finanzielle Entscheidungen trifft?

Claudia Müller: Das Wichtigste ist ein eigenes Konto auf den eigenen Namen. Zusätzlich empfehle ich einen Notgroschen für Krisen – egal ob Trennung, Krankheit oder unerwartete Ausgaben. Und wir müssen uns klarmachen: Private Vorsorge ist kein Bonus, sondern ein Muss. In Deutschland basiert Altersvorsorge auf drei Säulen – gesetzlich, betrieblich und privat. Ohne private Vorsorge reicht es für die meisten Frauen nicht.

Geld, Gesundheit & Absicherung

Welche besonderen Herausforderungen entstehen beim Thema Finanzen, wenn man mit einer chronischen Erkrankung lebt?

Claudia Müller: Chronische Erkrankungen machen Planung unsicherer. Einkommen kann schwanken, Arbeitszeit muss angepasst werden, Prioritäten verändern sich. Ein finanzieller Puffer schafft Handlungsspielraum. Er ermöglicht es, Entscheidungen zu treffen, ohne sofort existenzielle Angst zu haben. Gerade dann ist finanzielle Klarheit enorm entlastend – auch für die mentale Gesundheit.

Finanzwissen aufbauen – auch ohne Vorkenntnisse

Du sagst, 20 bis 30 Stunden reichen für ein solides Finanzwissen. Was sollte man in dieser Zeit konkret tun?

Claudia Müller: Zuerst die eigenen Glaubenssätze anschauen. Viele von uns haben gelernt: Geld verdirbt den Charakter. Wenn ich das glaube, will ich unterbewusst gar kein Geld haben. Dann sollte man die eigene Rentenlücke berechnen – gern auch im Gespräch mit der Deutschen Rentenversicherung. Die sind wirklich hilfsbereit. Danach: Haushaltsbudget anschauen, Notgroschen aufbauen und sich mit Investieren beschäftigen. Das Thema Geld begleitet uns ein Leben lang, deshalb lohnt sich dieser Einstieg enorm.

Investieren: realistische Erwartungen

Was sind realistische Erwartungen beim Vermögensaufbau?

Claudia Müller: Zwei Regeln sind entscheidend: langfristig denken und breit streuen. Kurzfristige Schwankungen gehören dazu. Wer zehn Jahre oder länger investiert, kann diese aushalten. ETFs eignen sich besonders gut, weil sie kostengünstig und breit gestreut sind. Man kann mit sehr kleinen Beträgen anfangen – sogar mit einem Euro.

Welche Rolle spielt nachhaltiges Investieren?

Claudia Müller: Eine große. Nachhaltige ETFs nach SRI-Kriterien schließen problematische Branchen aus. Langfristige Vergleiche zeigen: Diese Fonds sind mindestens genauso rentabel, oft sogar erfolgreicher als konventionelle. Nachhaltigkeit und Rendite schließen sich nicht aus.

Finanzielle Planung im Alltag

Wie oft sollte man seine Finanzen überprüfen?

Claudia Müller: Einmal im Jahr reicht völlig. Häufigeres Überprüfen führt eher zu impulsiven Entscheidungen und mindert langfristig die Rendite. Wichtig ist ein fester Termin – egal ob im Januar oder im Sommer.

Geld & Beziehung

Warum ist es so wichtig, in Partnerschaften frühzeitig über Geld zu sprechen?

Claudia Müller: Weil wir mit keiner Person finanziell so eng verflochten sind wie mit unserer Partnerin oder unserem Partner. Es geht um Alltagsentscheidungen, Care-Arbeit, Karriere und Absicherung. Wenn eine Person mehr unbezahlte Arbeit übernimmt, hat das langfristige finanzielle Folgen. Darüber muss gesprochen werden – inklusive Ausgleichszahlungen, Rentenpunkten oder privater Vorsorge.

Welche typischen Fehler beobachtest du bei der gemeinsamen Finanzplanung?

Claudia Müller: Der größte Fehler ist, nichts zu tun. Der zweite ist, alles abzugeben. Finanzielle Verantwortung gehört zur Selbstfürsorge. Wer sich um alles andere kümmert, sollte sich erst recht auch um die eigenen Finanzen kümmern.

🎉 Buchverlosung

Dein Buch „Meine Finanzen meistern für Dummies“ ist jetzt seit einem Jahr erhältlich. Was können Leser:innen daraus mitnehmen?

Claudia Müller: Das Buch gibt einen verständlichen Rundumblick – von Versicherungen über ETFs und Immobilien bis hin zu Gold und Kryptowährungen. Schritt für Schritt erklärt, ohne Vorwissen. Es richtet sich an alle, die ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen wollen.

Die Teilnahmebedingungen findest Du am Ende vom Artikel.

Abschluss

Was möchtest du den Hörer:innen zum Schluss noch mitgeben?

Claudia Müller: Finanzielle Bildung verändert nicht nur das Konto, sondern auch das Selbstbild. Sie schafft Freiheit. Beziehungen bleiben aus Überzeugung – nicht aus Abhängigkeit. Und genau das wünsche ich jeder Frau.

Zum Female Finance Forum

Bis bald und mach das Beste aus Deinem Leben,
Nele

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🎁 Buchverlosung: „Meine Finanzen meistern für Dummies“ von Claudia Müller

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Der/die Gewinner:in wird per E-Mail benachrichtigt.

Viel Glück! 🍀

Teilnahmebedingungen in Kürze:
Teilnahmeschluss ist der 16.02.2026 um 23:59 Uhr. Die Verlosung erfolgt zufällig unter allen gültigen Kommentaren. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die E-Mail-Adresse wird ausschließlich zur Kontaktaufnahme im Gewinnfall verwendet und nicht veröffentlicht.

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Nele von Horsten

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