#352: KI bei Multipler Sklerose: Wie Künstliche Intelligenz die MS-Versorgung und gemeinsame Entscheidungsfindung verändert

Illustration eines Arztes und einer Patientin vor einer digitalen Darstellung eines Gehirnscans und medizinischer KI-Analyse. Text im Bild: „KI bei Multipler Sklerose – Chancen für Diagnose und Therapie“

Künstliche Intelligenz (KI) verändert die Behandlung von Multipler Sklerose (MS), vor allem bei der gemeinsamen Entscheidungsfindung zwischen Patient:innen und Ärzt:innen. Von der frühen Diagnose über personalisierte Behandlungsempfehlungen bis hin zur Verbesserung der Kommunikation zwischen Arzt und Patient – KI-gesteuerte Tools verbessern das Verständnis und die Behandlung von MS.

Das Interview mit Dr. Stefan Ebener, einem KI-Experten im Gesundheitswesen bei Google, fand im Original im März 2025 für den englischen MS-Perspektive Podcast statt und habe ich nun übersetzt. Ich spreche spreche mit ihm über die aktuelle und zukünftige Rolle von KI in der MS-Behandlung. Wie kann KI komplexe medizinische Daten vereinfachen? Wo liegen ihre Grenzen? Und wie kann sie MS-Patient:innen dabei unterstützen, fundierte Behandlungsentscheidungen zu treffen?

Gemeinsam erkunden wir das Veränderungspotenzial von KI in der MS-Behandlung und die Bedeutung eines ausgewogenen Verhältnisses zwischen technologischen Fortschritten und menschlichem Fachwissen.

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Inhaltsverzeichnis

Vorstellung – Wer ist Dr. Stefan Ebener?

Dr. Stefan Ebener: Ich bin Dr. Stefan Ebener und leite ein internationales Expertenteam bei Google. Wir wollen unseren Kunden dabei helfen, moderne Technologien für echte Anwendungen einzusetzen, zum Beispiel KI-Lösungen im Gesundheitswesen.

Was hat dich dazu bewegt, diesen Beruf zu wählen und mit KI im Gesundheitswesen zu arbeiten?

Dr. Stefan Ebener: Das war echt eine spannende Reise. Ich bin vor über sieben Jahren zu Google gekommen, weil ich davon überzeugt war, dass das Unternehmen mit seiner Technologie Branchen revolutionieren kann. Die Kombination aus wirtschaftlicher Stärke, technologischem Know-how und der Bereitschaft, den Status quo in Frage zu stellen, hat mich total angesprochen. Ich wollte Teil von etwas sein, das wirklich was bewegt, und genau das ist KI im Gesundheitswesen.

KI im Gesundheitswesen verstehen

Wie kann künstliche Intelligenz dabei helfen, das ganzheitliche Behandlungskonzept für MS zu verbessern?

Dr. Stefan Ebener: MS ist echt komplex und unterschiedlich, mit verschiedenen Symptomen, wie schnell sie sich entwickelt und wie man auf die Behandlung anspricht. KI bietet neue Möglichkeiten für ein besseres Krankheitsmanagement, indem sie die Früherkennung verbessert, Biomarker identifiziert und die Überwachung optimiert.

Maschinelles Lernen, natürliche Sprachverarbeitung (NLP) und Computer Vision spielen dabei eine wichtige Rolle. KI-gestützte MRT-Analysen können Radiologen dabei helfen, Anomalien zu erkennen, Fehldiagnosen zu reduzieren und frühzeitig zu handeln. Außerdem kann KI dabei helfen, Symptome und Behandlungsreaktionen effektiver zu verfolgen als mit herkömmlichen Methoden.

Welche aktuellen KI-Tools oder -Systeme unterstützen bereits die gemeinsame Entscheidungsfindung im Gesundheitswesen? Und was sind die größten Herausforderungen?

Dr. Stefan Ebener: Viele KI-gesteuerte Tools helfen schon jetzt im Gesundheitswesen. Große Sprachmodelle wie Google Gemini und ChatGPT von OpenAI unterstützen die gemeinsame Entscheidungsfindung, indem sie komplexe medizinische Infos zusammenfassen, Patient:innen auf Arztbesuche vorbereiten und die Kommunikation zwischen Ärzt:innen und Patient:innen verbessern.

Öffentliche KI-Modelle dürfen aber wegen Sicherheitsvorschriften keine direkten medizinischen Ratschläge geben. Sie können Patient:innen zwar helfen, ihre Gesundheitsdaten und Symptome zu verstehen, aber sie können keine Behandlungen empfehlen. Um diese Einschränkung zu umgehen, braucht man lokal trainierte Modelle und strenge Datenschutzmaßnahmen.

Kannst du erklären, wie KI dabei hilft, komplexe medizinische Daten für MS-Patient:innen einfacher zu machen?

Dr. Stefan Ebener: KI übersetzt komplexe medizinische Infos in eine Sprache, die jeder versteht. KI-Chatbots und NLP-Modelle können Testergebnisse, Behandlungsmöglichkeiten und mögliche Nebenwirkungen auf eine leicht verständliche Weise erklären. Durch die Veranschaulichung von Daten hilft KI Patient:innen, fundierte Entscheidungen zu treffen, ohne sich von medizinischem Fachjargon überfordert zu fühlen.

Gemeinsame Entscheidungsfindung mit KI

Wie kann KI MS-Patient:innen und Neurolog:innen oder Therapeut:innen dabei helfen, besser zu kommunizieren und zusammenzuarbeiten, um bessere Behandlungsentscheidungen zu treffen?

Dr. Stefan Ebener: KI kann sowohl Patient:innen als auch Ärzt:innen helfen, indem sie Krankengeschichten organisiert, wichtige Daten hervorhebt und Risikobewertungen erleichtert. Sie sorgt dafür, dass beide Seiten mit relevanten, aktuellen Infos in Gespräche gehen, was zu produktiveren Gesprächen führt.

Was sind die Grenzen von KI, wenn sie personalisierte Empfehlungen für Behandlungsmöglichkeiten basierend auf der Krankengeschichte und den Symptomen eines Patienten gibt?

Dr. Stefan Ebener: Ein großes Problem ist, dass KI von den verfügbaren Daten abhängt. Verzerrungen in medizinischen Datensätzen können zu falschen Empfehlungen führen, vor allem wenn Frauen oder Minderheiten in der Forschung unterrepräsentiert sind.

Eine weitere Herausforderung ist, dass KI keinen Kontext versteht. Während ein Neurologe persönliche Umstände wie den Lebensstil, den Job und das Unterstützungsnetzwerk eines Patienten berücksichtigt, können KI-Systeme diese Faktoren übersehen, wenn sie nicht extra darauf trainiert wurden, sie zu berücksichtigen.

Wie kann KI Patient:innen dabei helfen, die Vor- und Nachteile verschiedener Behandlungspläne zu verstehen?

Dr. Stefan Ebener: KI kann maßgeschneiderte Zusammenfassungen von Behandlungsoptionen liefern und dabei Risiken und Vorteile in einem verständlichen Format hervorheben. KI-gesteuerte Simulationen können auch dabei helfen, vorherzusagen, wie eine Patientin auf eine bestimmte Behandlung reagieren könnte, was die personalisierte Entscheidungsfindung weiter unterstützt.

Den Kontakt zu Gesundheitsdienstleister:innen verbessern

Gibt es KI-Tools, die Patient:innen dabei helfen können, ihre Termine, Medikamenteneinnahmepläne und Nachsorgetermine bei mehreren Anbietern zu verwalten?

Dr. Stefan Ebener: Ja, es gibt ein paar KI-gesteuerte Tools, die bei der Terminplanung und der Einhaltung der Medikamenteneinnahme helfen. Apps wie MediSafe und Mango Health bieten clevere Erinnerungsfunktionen für die Medikamenteneinnahme und lassen sich mit Wearables verbinden, um die Einhaltung der Vorschriften durch die Patient:innen zu verfolgen. Außerdem können KI-gesteuerte Tablettenspender wie Hero Health Fehler erkennen und Pflegekräfte darauf aufmerksam machen.

Könnten KI-Chatbots oder virtuelle Assistenten schneller zuverlässige Antworten auf häufig gestellte Fragen zu MS liefern?

Dr. Stefan Ebener: KI-Chatbots können schnell und zuverlässig Antworten auf häufig gestellte Fragen zu MS geben und so die Abhängigkeit von medizinischem Fachpersonal bei kleineren Anfragen verringern. Chatbots sollten aber nur für allgemeine Hinweise und nicht für medizinische Ratschläge genutzt werden und müssen von seriösen Anbietern kommen.

Datenschutz und Datensicherheit

Was wird gemacht, um sicherzustellen, dass Patientendaten privat und sicher bleiben, wenn KI-Systeme benutzt werden?

Dr. Stefan Ebener: Datenschutz hat oberste Priorität. Seriöse KI-Anbieter halten sich an strenge Sicherheitsprotokolle, einschließlich der Verschlüsselung und Anonymisierung von Patient:innendaten. Die europäischen DSGVO-Vorschriften bieten zusätzliche Schutzmaßnahmen, um die Sicherheit von Patient:innendaten zu gewährleisten.

Was sollten MS-Patient:innen wissen, wenn sie ihre Zustimmung geben, dass ihre Gesundheitsdaten mit KI-Plattformen geteilt werden?

Dr. Stefan Ebener: Patient:innen sollten die Datenschutzrichtlinien von KI-Plattformen genau checken. Sie sollten fragen:

  • Werden ihre Daten dauerhaft oder nur vorübergehend gespeichert?
  • Werden sie an Dritte weitergegeben?
  • Können sie ihre Einwilligung jederzeit zurückziehen?

Die Wahl seriöser Anbieter ist entscheidend für die Datensicherheit.

Barrierefreiheit und Inklusion

Wie kann KI für alle MS-Patient:innen zugänglich gemacht werden, auch für diejenigen, die nicht so technisch versiert sind oder andere Hindernisse überwinden müssen?

Dr. Stefan Ebener: KI sollte für alle Patient:innen einfach zu bedienen sein, egal wie gut sie mit Technik umgehen können. Sprachgesteuerte KI-Schnittstellen, mehrsprachige Unterstützung und einfachere Nutzererlebnisgestaltung machen KI-Tools zugänglicher.

Könnten KI-Plattformen mehrsprachige Unterstützung bieten, um die Kommunikation für Nicht-Muttersprachler zu verbessern oder Angehörige zu informieren?

Dr. Stefan Ebener: Klar! Viele KI-Systeme unterstützen schon über 40 Sprachen, sodass Patient:innen gut mit Gesundheitsdienstleistern reden können und Angehörige die Behandlungspläne verstehen.

Mögliche Herausforderungen und Einschränkungen

Warum sind KI-Tools nur eine Ergänzung und kein Ersatz für medizinisches Fachpersonal?

Dr. Stefan Ebener: KI kann nicht wie Menschen emotionale, soziale und kontextuelle Faktoren in der Patient:innenversorgung einschätzen. KI kann zwar bei der Datenanalyse und Mustererkennung helfen, aber sie kann das Fachwissen und Einfühlungsvermögen von medizinischem Fachpersonal nicht ersetzen.

Was sind die spannendsten Entwicklungen im Bereich der KI, die die MS-Behandlung in den nächsten fünf Jahren total verändern könnten?

Dr. Stefan Ebener: Zu den wichtigsten Entwicklungen gehören:

  1. Multimodale KI: Integration von Text, Bildern und Daten von Wearables für einen ganzheitlicheren Ansatz.
  2. Echtzeitüberwachung: KI-gesteuerte Wearables, die Symptome verfolgen und Schübe vorhersagen.
  3. KI-gestützte klinische Studien: Schnellere Patient:innenrekrutierung und verbesserte Effizienz der Studien.

Patient:innen durch KI stärken

Könnte KI genutzt werden, um virtuelle Selbsthilfegruppen zu gründen oder Leute mit ähnlichen Erfahrungen zusammenzubringen?

Dr. Stefan Ebener: Ja! KI-gestützte Plattformen können Patient:innen mit ähnlichen Erfahrungen zusammenbringen und Peer-Support-Netzwerke fördern.

Welchen Tipp würdest du MS-Patient:innen geben, die sich für den Einsatz von KI-Tools zur Behandlung ihrer Krankheit interessieren?

Dr. Stefan Ebener: Sei neugierig, aber bleib vorsichtig. KI kann ein super Hilfsmittel sein, aber überprüfe immer die Infos und sprich mit medizinischen Fachkräften, bevor du medizinische Entscheidungen triffst.

Nele von Horsten: Stefan, danke für deine Einblicke! KI birgt unglaubliches Potenzial, aber wie du schon gesagt hast, muss sie mit Bedacht eingesetzt werden.

Dr. Stefan Ebener: Danke, Nele! Es war mir eine Freude, über die Rolle der KI in der MS-Behandlung zu sprechen. Ich bin gespannt, wie sich die KI in diesem Bereich weiterentwickeln wird.

Bis bald und mach das Beste aus Deinem Leben,
Nele

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Nele von Horsten

Blogger & Patient Advocate

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Nele von Horsten

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