#359: Stiftung trifft Forschung. 10 Jahre medMS-Doktorandenprogramm der Hertie-Stiftung

Silhouette einer Person, die durch ein Mikroskop blickt, vor blau-violett beleuchtetem Hintergrund. Im Vordergrund ein weißes Textfeld mit der Aufschrift „medMS Doktorandenprogramm – Forschung & Netzwerk bei MS“ sowie der Website „www.ms-perspektive.de“

Das medMS-Doktorandenprogramm der Hertie-Stiftung zeigt, wie wichtig gezielte Förderung für die Multiple-Sklerose-Forschung ist. In diesem Interview sprechen Eva Koch und Lea Merkel über Motivation, Entwicklung und persönliche Erfahrungen im Programm – und darüber, warum Forschung und Gemeinschaft untrennbar zusammengehören.

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Inhaltsverzeichnis

Vorstellung der Gesprächspartnerinnen

Eva Koch leitet die Multiple-Sklerose-Projekte bei der Hertie-Stiftung, einer der größten gemeinnützigen Stiftungen Deutschlands mit Fokus auf Gehirnforschung und Demokratie.

Eva Koch war bereits in Folge 151 zu Gast im Podcast, um die Gemeinnützige Hertie-Stiftung ausführlich vorzustellen.

Porträt einer Frau mit dunklem, leicht gewelltem Haar, das locker zurückgebunden ist. Sie trägt eine helle Bluse und eine Kette mit rundem Anhänger. Ihr Gesicht zeigt ein ruhiges, freundliches Lächeln vor einem schlichten, hellen Hintergrund.

Lea Merkel ist Medizinerin und ehemalige Teilnehmerin des medMS-Doktorandenprogramms. Sie forschte zur Multiplen Sklerose mit Schwerpunkt Immunologie und engagiert sich heute zusätzlich im Bereich soziale Verbundenheit.

Porträt einer Frau mit schulterlangem, dunkelbraunem Haar und grünen Augen. Sie trägt ein ärmelloses, dunkles Oberteil und blickt mit einem leichten Lächeln direkt in die Kamera. Der Hintergrund ist hell und neutral.

Einstieg & Kontext

Eva, stell die Hertie-Stiftung bitte kurz vor: Wofür steht sie und was ist Deine Rolle?

Eva Koch: Die Hertie-Stiftung gehört zu den größten gemeinnützigen Stiftungen Deutschlands. Sie hat zwei Förderbereiche: Demokratie stärken und Gehirn erforschen. Ich arbeite im Bereich Gehirnforschung und leite dort die Multiple-Sklerose-Projekte. Die Erkrankung spielt seit über 50 Jahren eine zentrale Rolle in der Stiftung.

Das medMS-Doktorandenprogramm wurde 2016 gestartet – was war die zentrale Idee?

Eva Koch: Es gibt immer weniger Medizinerinnen und Mediziner, die neben der Klinik auch forschen. Deshalb wollten wir früh im Studium ansetzen und Menschen motivieren, ihre Doktorarbeit zur Multiplen Sklerose zu machen. Gleichzeitig wollten wir Begeisterung für Forschung wecken und eine stärkere Vernetzung schaffen.

Wie hat sich das Programm seitdem entwickelt?

Eva Koch: Neben der finanziellen Förderung gibt es heute viele zusätzliche Bausteine:

  • Zuschüsse für Betreuende
  • Summer Schools
  • jährliche Symposien
  • Teilnahme am internationalen MS-Kongress
  • Alumni-Netzwerk
  • Auszeichnungen für herausragende Arbeiten

Das Programm ist zu einem umfassenden Begleitangebot geworden.

Leas Einstieg ins Programm

Lea, was hat Dich motiviert, Dich zu bewerben und was war Dein Thema?

Lea Merkel: Ich habe 2020 meine Promotion zur Multiplen Sklerose begonnen, zunächst zur Makrophagenregulation (Immunzellen im Körper). Auf der Suche nach Förderung bin ich schnell auf das Programm gestoßen. Besonders wichtig war für mich die Möglichkeit, mich über längere Zeit voll auf die Forschung zu konzentrieren.

Was hat Dich besonders angesprochen?

Lea Merkel: Neben der finanziellen Unterstützung waren es die Reisemittel und das Netzwerk. Besonders spannend fand ich die Verbindung von Neurowissenschaft und Demokratie. Diese Kombination eröffnet neue Perspektiven und zeigt, wie stark Themen miteinander verknüpft sind.

Das Begleitprogramm erleben

Eva, welche Bedeutung hat der Besuch beim ECTRIMS-Kongress?

Eva Koch: Für viele ist es der erste große internationale Kongress mit etwa 10.000 Teilnehmenden. Dort können sie ihre Forschung präsentieren, Kontakte knüpfen und sich austauschen. Das ist eine prägende Erfahrung.

Was ist das Ziel der Summer Schools?

Eva Koch: Die Forschung ist sehr vielfältig. Deshalb können die Teilnehmenden ihre Summer School individuell wählen und sich gezielt weiterbilden. Gleichzeitig stärkt das Eigenverantwortung und Selbstorganisation.

Lea, wie hast Du diese Angebote erlebt?

Lea Merkel: Meine Forschung hat sich im Verlauf stark weiterentwickelt, hin zum Immunmetabolismus (Zusammenhang von Stoffwechsel und Immunsystem). Ich konnte einen Forschungsaufenthalt in den USA realisieren. Diese Flexibilität war fachlich und persönlich enorm wertvoll.

Gab es einen prägenden Moment?

Lea Merkel: Besonders prägend war mein erster Hertie-Summit. Dort konnte ich einen Workshop zur mentalen Gesundheit gestalten. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, eigene Themen einzubringen und aktiv mitzugestalten.

Programmentwicklung & Austausch

Eva, was hat sich seit 2022 verändert?

Eva Koch: Es gibt jetzt drei zusätzliche Treffen im ersten Förderjahr. Die Teilnehmenden werden in Gruppen zusammengefasst, tauschen sich regelmäßig aus und besuchen gemeinsam Forschungseinrichtungen.

Welche Rolle spielen Austausch und Rückschläge?

Eva Koch: Rückschläge gehören zur Forschung dazu. Wichtig ist, einen Raum zu haben, in dem man darüber sprechen kann. Der Austausch hilft, Motivation wiederzufinden und zu erkennen, dass diese Erfahrungen normal sind.

Wie wichtig ist der Netzwerkgedanke?

Eva Koch: Forschung lebt von Kontakten. Oft arbeitet man an sehr kleinen Teilaspekten. Der Austausch mit anderen eröffnet neue Perspektiven und ermöglicht neue Projekte und Karriereschritte.

Summit & aktive Mitgestaltung

Eva, warum ist der Hertie-Summit so wichtig?

Eva Koch: Die Teilnehmenden gestalten Inhalte aktiv mit – durch Workshops oder Vorträge. So entwickeln sie Fähigkeiten, die über die Forschung hinausgehen, etwa Kommunikation und Präsentation.

Eine Gruppe von etwa 15 Menschen steht draußen auf einer Wiese vor Bäumen und einem grünen Ausstellungsmodul. Sie klatschen und lächeln, als würden sie eine Präsentation oder ein Ereignis feiern. Links im Vordergrund fotografiert eine Person die Szene mit einer Kamera.

Lea, wie hast Du Deine Joint Session erlebt?

Lea Merkel: Ich habe über Einsamkeit gesprochen und persönliche Erfahrungen geteilt. Das war herausfordernd, aber sehr bereichernd. Viele Menschen konnten sich damit identifizieren, und es entstanden wichtige Gespräche.

Wie entstand Deine Initiative?

Lea Merkel: Aus persönlichen Erfahrungen und meiner Arbeit heraus entstand das Bedürfnis, das Thema Einsamkeit sichtbarer zu machen. Daraus entwickelte sich die Initiative „Lonely Less“, die Austausch und Entstigmatisierung fördern soll.

Netzwerk, eigene Wege & Ausblick

Worum geht es bei „Loneliless“?

Lea Merkel: Ziel ist es, Einsamkeit zu entstigmatisieren und soziale Verbundenheit zu stärken. Es gibt einen Podcast, Social Media Inhalte und weitere Angebote, um Menschen miteinander zu verbinden.

Hier gelangst Du zur Website mit den Links zum Podcast und den social Media Kanälen von Loneliless.

Wie nutzt Du das Netzwerk heute?

Lea Merkel: Ich nehme weiterhin am Hertie-Summit teil, gestalte Workshops und plane, mich künftig als Mentorin einzubringen. Das Netzwerk bleibt langfristig aktiv.

Was möchtest Du Menschen mit MS mitgeben?

Lea Merkel: Soziale Verbundenheit ist entscheidend. Einsamkeit kann krank machen, aber auch durch eine Diagnose entstehen. Deshalb ist es wichtig, sich zu vernetzen, Unterstützung anzunehmen und nicht allein zu bleiben.

Fazit

Das medMS-Doktorandenprogramm zeigt, wie moderne Forschungsförderung aussehen kann: interdisziplinär, menschlich und vernetzt. Es stärkt nicht nur wissenschaftliche Karrieren, sondern auch persönliche Entwicklung und gesellschaftliches Engagement.

Bis bald und mach das Beste aus Deinem Leben,
Nele

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