MS-Prävention klingt für viele Menschen noch wie Zukunftsmusik. Doch weltweit arbeiten Forschende daran, Multiple Sklerose früher zu erkennen, Risikopersonen besser zu identifizieren und eines Tages vielleicht sogar den Ausbruch der Erkrankung zu verhindern. In Folge 366 des MS-Perspektive Podcasts spreche ich mit Prof. Bernhard Hemmer über die Global MS Prevention Initiative, über Chancen, Hürden und darüber, warum gerade jetzt so viel Bewegung in dieses Thema kommt.
Prof. Hemmer macht dabei klar: Prävention bedeutet bei MS nicht nur „eine Impfung finden“. Es geht um ein ganzes Bündel an Strategien. Dazu gehören Risikofaktoren wie das Epstein-Barr-Virus, frühe Biomarker wie Neurofilamente, MRT-Befunde, Lebensstilfaktoren und internationale Studien mit Menschen, die ein erhöhtes Risiko für MS haben könnten.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Podcast Player. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Weitere Informationen 'Inhaltsverzeichnis
Einordnung & persönliche Perspektive
Stellen Sie sich bitte kurz vor: Wer sind Sie und welche Rolle haben Sie innerhalb der Global MS Prevention Initiative?
Prof. Bernhard Hemmer:
Mein Name ist Bernhard Hemmer. Ich leite seit 19 Jahren die Klinik für Neurologie am Rechts der Isar. Wir haben einen großen Schwerpunkt im Bereich der Multiplen Sklerose.
Seit dem Studium war ich immer sehr an der Immunologie und der Neuroimmunologie interessiert. Ich habe später eine Doktorarbeit im Bereich der Immunologie gemacht. Danach war ich in der Neuropathologie, in der Facharztausbildung und über ein Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft am National Institutes of Health in den USA.
Das große Forschungsinstitut in Amerika war damals sehr prägend für mich. Anschließend war ich mehrere Jahre in den USA, habe Immunologie mit Bezug zur MS gemacht und bin dann zurück nach Deutschland gekommen. In Marburg habe ich meine Facharztausbildung abgeschlossen, später ein Labor etabliert und mich viel mit B-Lymphozyten beschäftigt.
B-Lymphozyten sind bestimmte Immunzellen, die eine wichtige Rolle bei MS spielen können. Ich habe mich außerdem mit Genetik der MS beschäftigt und weiterhin immunologische Studien durchgeführt.
Zur Global MS Prevention Initiative bin ich über ein großes europäisches Projekt gekommen. Die Initiative ist ein Kooperationsprojekt, bei dem viele Partner zusammenarbeiten. Ziel ist es, Menschen mit erhöhtem Risiko für MS früher zu erkennen und langfristig Strategien zu entwickeln, um einzugreifen, bevor die Erkrankung ausbricht.
Sie haben kürzlich an einem Meeting dazu in Nizza teilgenommen – was hat Sie persönlich am meisten inspiriert oder überrascht?
Prof. Bernhard Hemmer:
Das Meeting in Nizza war sehr inspirierend. Besonders beeindruckt hat mich, dass die Initiative stark von Betroffenen und von MS-Gesellschaften ausgeht. Kanada, Amerika und Australien spielen dabei eine wichtige Rolle.
Es war kein klassisches Forschungstreffen, bei dem nur Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Ideen austauschen. Es war eher ein Think Tank. Also ein Treffen, bei dem gemeinsam überlegt wird: Was braucht es wirklich? Wohin wollen wir? Wie kann man aus einer Idee konkrete Schritte machen?
Mich hat besonders inspiriert, dass alle auf Augenhöhe miteinander gesprochen haben. Betroffene, MS-Organisationen und Forschende saßen zusammen und haben gemeinsam überlegt, wie Prävention möglich werden könnte.
Was bedeutet MS-Prävention eigentlich?
Wenn wir von „Prävention“ bei MS sprechen – was genau ist damit gemeint?
Prof. Bernhard Hemmer:
Wenn wir über Prävention sprechen, geht es zunächst darum, das Risiko für MS so früh wie möglich zu erkennen. Das betrifft zum Beispiel Menschen, die aufgrund bestimmter Faktoren ein erhöhtes Risiko haben könnten.
Prävention kann bedeuten, Risikofaktoren zu identifizieren, bevor klinische Symptome auftreten. Also bevor jemand einen ersten Schub bekommt oder bevor neurologische Einschränkungen entstehen.
Eine Vision ist, Personen zu finden, bei denen bereits Entzündungsaktivität im Gehirn vorhanden ist, die aber noch keine Symptome haben. Man spricht dabei zum Beispiel vom radiologisch isolierten Syndrom, kurz RIS. Das bedeutet: Im MRT sieht man Veränderungen, die zu MS passen könnten, aber die Person hatte noch keine typischen Beschwerden.
In Zukunft könnte Prävention auch bedeuten, bei Menschen mit erhöhtem Risiko therapeutisch einzugreifen, bevor MS tatsächlich ausbricht. Das ist aber ein weiter Weg.
Viele denken bei Prävention sofort an eine Impfung – ist das aktuell ein realistisches Szenario oder eher ein Teil eines größeren Ansatzes?
Prof. Bernhard Hemmer:
Eine Impfung ist natürlich eine Möglichkeit. Dabei geht es vor allem um das Epstein-Barr-Virus, kurz EBV. Wir wissen, dass EBV eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von MS spielt.
Menschen, die nicht mit dem Epstein-Barr-Virus in Kontakt gekommen sind, haben offenbar ein sehr geringes MS-Risiko. Deshalb liegt die Idee nahe, über eine Impfung nachzudenken.
Aber das ist nicht nur für MS relevant. EBV spielt auch bei anderen Erkrankungen eine Rolle, zum Beispiel bei bestimmten Krebserkrankungen. Daher wäre eine EBV-Impfung grundsätzlich ein spannendes Thema.
Trotzdem ist das ein langer Weg. Selbst wenn es irgendwann eine Impfung gibt, müsste man sehr genau prüfen, ob sie schützt und ob sie wirklich das MS-Risiko senkt. Dafür müsste man große Gruppen über lange Zeit beobachten.
Deshalb ist die Impfung eher ein Teil eines größeren Ansatzes. Vermutlich wird Prävention nicht nur über eine Maßnahme funktionieren, sondern über mehrere Strategien.
Warum rückt das Thema MS-Prävention gerade jetzt stärker in den Fokus – was hat sich in den letzten Jahren verändert?
Prof. Bernhard Hemmer:
Das hat mehrere Gründe. Einer ist, dass wir heute immer besser verstehen, dass MS nicht erst mit dem ersten Schub beginnt. Schon Jahre vorher können Veränderungen im Körper ablaufen.
Früher haben wir uns vor allem darauf konzentriert, nach der Diagnose möglichst früh zu behandeln. Das bleibt wichtig. Aber heute fragen wir zusätzlich: Können wir noch früher ansetzen?
Bei vielen Menschen gibt es möglicherweise schon entzündliche Aktivität, bevor Symptome auftreten. Manchmal sieht man ältere Läsionen im MRT, wenn die Diagnose gestellt wird. Das zeigt, dass der Krankheitsprozess oft schon länger läuft.
Deshalb entwickelt sich die Idee, noch früher zu erkennen, wer ein Risiko hat. Je früher wir wissen, dass jemand gefährdet ist, desto eher könnten wir eines Tages verhindern, dass sich MS überhaupt manifestiert.
Komplexität, Chancen und Herausforderungen
Sie haben die Komplexität angesprochen – was sind aktuell die wichtigsten „Puzzleteile“, die zusammenkommen müssen, damit Prävention funktioniert?
Prof. Bernhard Hemmer:
Es gibt viele Puzzleteile. Wir müssen Risikofaktoren besser verstehen, etwa EBV, Vitamin D, Rauchen, Übergewicht und genetische Faktoren. Wir müssen aber auch Biomarker finden, die anzeigen, ob im Körper bereits etwas passiert.
Ein wichtiger Biomarker sind Neurofilamente. Das sind Eiweißbestandteile aus Nervenzellen, die im Blut messbar sein können. Erhöhte Werte können darauf hinweisen, dass Nervenzellen geschädigt werden.
Dazu kommen MRT-Befunde. Wenn im Gehirn bereits Veränderungen sichtbar sind, obwohl die Person keine Beschwerden hat, kann das ein Hinweis auf ein erhöhtes Risiko sein.
Das Ziel ist, diese Informationen zusammenzuführen. Nicht ein einzelner Wert entscheidet. Entscheidend ist das Gesamtbild: Lebensstil, Genetik, Infektionen, Blutwerte, MRT und klinische Beobachtung.
Welche Rolle spielen Risikofaktoren und frühe Identifikation konkret – und wie nah sind wir daran, Menschen mit erhöhtem Risiko zuverlässig zu erkennen?
Prof. Bernhard Hemmer:
Die Daten werden immer solider. Wir sehen zum Beispiel, dass manche Menschen vor der Diagnose häufiger ärztliche Kontakte hatten. Manche hatten unspezifische Beschwerden, die damals noch nicht als MS eingeordnet wurden.
Das bedeutet nicht, dass jede unspezifische Beschwerde ein Warnzeichen ist. Aber es zeigt, dass es möglicherweise Muster gibt, die man besser verstehen kann.
Ein Ansatz ist, große Gesundheitsdaten auszuwerten. Mit intelligenten Analysen könnte man Muster finden, die auf ein erhöhtes Risiko hinweisen. Das ist aber schwierig und muss sehr sorgfältig gemacht werden.
Besonders interessant sind Angehörige ersten Grades von Menschen mit MS. Also zum Beispiel Kinder, Geschwister oder Eltern. Sie haben statistisch ein erhöhtes Risiko. Trotzdem bleibt das individuelle Risiko meistens niedrig. Das Lebenszeitrisiko liegt im Bereich von etwa zwei bis vier Prozent.
Wichtig ist also: Ein erhöhtes Risiko bedeutet nicht, dass jemand sicher MS bekommt. Es bedeutet nur, dass diese Gruppe für Forschung und frühe Beobachtung besonders interessant ist.
Was sind aktuell die größten Hürden oder Unsicherheiten auf dem Weg zur MS-Prävention?
Prof. Bernhard Hemmer:
Eine große Hürde ist, dass Prävention viele Menschen betrifft, von denen die meisten niemals MS entwickeln werden. Wenn jemand ein Risiko von zwei oder drei Prozent hat, muss man sehr genau überlegen, welche Maßnahme vertretbar ist.
Eine starke Therapie für Menschen einzusetzen, die vielleicht nie krank werden, ist ethisch und medizinisch schwierig. Deshalb braucht es sehr gute Risikomodelle.
Eine weitere Hürde ist die Finanzierung. Prävention braucht große Studien, viele Teilnehmende und lange Beobachtungszeiten. Das kostet Geld und erfordert internationale Zusammenarbeit.
Außerdem braucht es die Unterstützung von Betroffenen und Familien. Die Forschung kann nicht einfach allein entscheiden. Menschen müssen verstehen, warum solche Studien wichtig sind und was sie ihnen langfristig bringen könnten.
Gleichzeitig: Wo sehen Sie die größten Chancen oder Durchbrüche, die Hoffnung machen?
Prof. Bernhard Hemmer:
Ein großer Hoffnungspunkt ist die Kombination aus besseren Daten, besseren Bluttests und besseren MRT-Verfahren.
Wenn wir zum Beispiel einfache Bluttests hätten, die anzeigen, dass jemand ein erhöhtes Risiko hat oder bereits frühe Aktivität zeigt, wäre das ein großer Fortschritt. Dann könnte man gezielter hinschauen.
Auch das radiologisch isolierte Syndrom ist wichtig. Bei manchen Menschen sieht man im MRT typische Veränderungen, obwohl sie noch keine Symptome hatten. Studien zeigen, dass frühe Behandlung bei solchen Risikogruppen den Übergang zu MS verzögern oder verhindern könnte.
Das macht Hoffnung. Denn es zeigt, dass frühes Eingreifen grundsätzlich wirken kann. Die Frage ist nun, wie man noch früher und noch genauer erkennt, wer wirklich von einer Intervention profitieren würde.
Wer macht was?
Wie wird die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Partnern global organisiert – wer übernimmt welche Aufgaben?
Prof. Bernhard Hemmer:
Die Initiative steht noch am Anfang. Es gibt ein großes Interesse, aber es braucht jetzt eine klare Struktur. Die Beteiligten arbeiten daran, Aktionspläne zu formulieren, Aufgaben zu verteilen und gemeinsame Standards zu entwickeln.
Wichtig ist, dass Studien vergleichbar werden. Wenn verschiedene Länder Daten sammeln, müssen sie ähnliche Fragen stellen, ähnliche Methoden nutzen und Proben so aufbereiten, dass man sie später gemeinsam auswerten kann.
Das klingt technisch, ist aber entscheidend. Nur wenn Daten harmonisiert sind, lassen sich große internationale Analysen durchführen.
Länder wie Kanada und Australien scheinen eine Vorreiterrolle zu spielen – was machen sie konkret anders oder besonders gut?
Prof. Bernhard Hemmer:
Kanada und Australien haben eine sehr starke Kultur der Zusammenarbeit. Dort kommen MS-Gesellschaften, Forschende und Betroffene oft sehr eng zusammen.
In Kanada spielt die MS-Gesellschaft eine große Rolle. Sie sammelt nicht nur Gelder, sondern steuert Forschung sehr strategisch. Die Wissenschaft bekommt dadurch klare Ziele und langfristige Unterstützung.
Australien ist ebenfalls sehr aktiv, insbesondere bei Studien zu Risikopersonen. Diese Länder zeigen, wie wichtig es ist, Forschung nicht nur als einzelne Projekte zu denken, sondern als gemeinsame Aufgabe.
Für Deutschland und Europa bedeutet das: Wir können viel lernen, wenn es darum geht, Kräfte zu bündeln und gezielt in Präventionsforschung zu investieren.
Wie wichtig ist der Austausch über die MS-Community hinaus, zum Beispiel mit anderen Forschungsfeldern oder Disziplinen?
Prof. Bernhard Hemmer:
Der Austausch ist extrem wichtig. Wir können viel von anderen Erkrankungen lernen.
Ein Beispiel sind neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson oder Alzheimer. Auch dort versucht man, Menschen früher zu erkennen, bevor schwere Symptome entstehen. Die Frage ist ähnlich: Wann beginnt eine Erkrankung wirklich? Und wie können wir eingreifen, bevor zu viel Schaden entstanden ist?
Auch die Krebsforschung ist ein wichtiges Feld. Bei Krebs gibt es seit vielen Jahren Früherkennungsprogramme. Nicht alles lässt sich eins zu eins übertragen, aber die Denkweise ist hilfreich.
Wichtig ist auch der Austausch mit Immunologie, Genetik, Infektiologie und Datenwissenschaft. MS-Prävention wird nur funktionieren, wenn viele Disziplinen zusammenarbeiten.
Welche Rolle spielen Politik und Gesundheitssystem – und wie gelingt es, hier Einfluss zu nehmen?
Prof. Bernhard Hemmer:
Politik ist wichtig, weil Forschung Geld, Strukturen und langfristige Förderung braucht. In Deutschland funktionieren viele Förderprogramme gut, etwa über das Bundesministerium für Bildung und Forschung oder große Forschungsorganisationen.
Aber im Bereich MS gibt es noch Luft nach oben. Ich wünsche mir mehr gezielte Förderung für MS-Forschung und Prävention.
Auch Gesundheitssysteme spielen eine Rolle. Wenn Prävention eines Tages funktionieren soll, müssen Studien, Diagnostik und Versorgung zusammengedacht werden. Es braucht Universitätskliniken, Forschungszentren, niedergelassene Ärztinnen und Ärzte und natürlich Menschen mit MS sowie ihre Angehörigen.
Zeitrahmen, Meilensteine & Kommunikation
Wenn wir nach vorne schauen: Was wären konkrete Meilensteine in den nächsten 5–10 Jahren auf dem Weg zur Prävention?
Prof. Bernhard Hemmer:
Ein realistischer Meilenstein wäre, in den nächsten fünf Jahren bessere Tests zu entwickeln. Dazu gehören Bluttests, die Hinweise auf frühe Krankheitsaktivität geben könnten.
Auch MRT-Verfahren werden immer besser. Moderne Geräte ermöglichen heute teilweise schnellere und präzisere Untersuchungen. In Zukunft könnten MRT und Blutwerte gemeinsam helfen, Risikopersonen besser einzuordnen.
Ein weiterer Meilenstein wäre, große Studien mit Risikogruppen aufzubauen. Dabei könnte man untersuchen, ob frühe Interventionen tatsächlich verhindern, dass Menschen symptomatisch werden.
Es geht also nicht darum, morgen eine einfache Lösung zu haben. Aber es ist realistisch, in den nächsten Jahren deutlich besser zu verstehen, wer ein erhöhtes Risiko trägt und wie man frühzeitig eingreifen könnte.
Gibt es eine Vorstellung davon, für welche Generation oder welchen Geburtsjahrgang echte Prävention erstmals Realität werden könnte?
Prof. Bernhard Hemmer:
Wenn jemand heute mit MS lebt und Kinder hat, könnte es für diese nächste Generation bereits deutlich bessere Möglichkeiten geben.
Kinder, die heute geboren werden, könnten vielleicht eines Tages Risikotests nutzen, die zeigen, wie hoch das individuelle Risiko ist und ob bestimmte vorbeugende Maßnahmen sinnvoll wären.
Das bedeutet nicht, dass MS in dieser Generation sicher verhindert werden kann. Aber es könnte realistisch werden, Risiken besser zu kennen und gezielter zu handeln.
Wie bleibt die Initiative handlungsfähig – wie oft tauschen Sie sich aus und wie stellen Sie sicher, dass alle auf dem gleichen Stand sind?
Prof. Bernhard Hemmer:
Die Initiative steht noch am Anfang, aber sie arbeitet daran, einen konkreten Aktionsplan zu entwickeln. Dazu gehören regelmäßige Treffen, klare Arbeitsgruppen und definierte Aufgaben.
Die große Herausforderung ist, viele Länder, Institutionen und Studien zusammenzubringen. Dafür braucht es gemeinsame Sprache, gemeinsame Datenstandards und gemeinsame Ziele.
Außerdem braucht es Austausch mit Partnern außerhalb Europas. Wenn Studien wirklich global sein sollen, müssen Daten, Proben und Erfahrungen international zusammengeführt werden.
Relevanz für Betroffene & persönliche Einschätzung
Wie wird die Kommunikation nach außen gestaltet – und wie können Menschen mit MS oder Angehörige auf dem Laufenden bleiben?
Prof. Bernhard Hemmer:
Die öffentliche Kommunikation steht noch am Anfang. Die Initiative ist noch jung, und es gibt noch keine große Kommunikationsstruktur nach außen.
Aber es gibt wichtige Kanäle. Dazu gehören Fachpublikationen, Berichte in wissenschaftlichen Journalen, MS-Gesellschaften, die European MS Platform und natürlich nationale MS-Organisationen.
Für Betroffene ist es wichtig, verlässliche Informationen zu bekommen. Nicht jede Schlagzeile über Prävention bedeutet, dass sofort eine neue Maßnahme verfügbar ist. Gleichzeitig ist es gut, dass das Thema immer sichtbarer wird.
Menschen mit MS und Angehörige können sich über MS-Gesellschaften, seriöse Fachportale, neurologische Zentren und Studieninformationen auf dem Laufenden halten.
Welche Entwicklung im Bereich der MS wünschen Sie sich in den kommenden 5 Jahren?
Prof. Bernhard Hemmer:
Ein großer Wunsch ist, dass Prävention, Früherkennung und Verhinderung von MS stärker in den Fokus rücken.
MS ist ein großes Thema. Und es wäre ein enormer Fortschritt, wenn wir Menschen nicht erst behandeln, wenn bereits Symptome aufgetreten sind, sondern früher eingreifen könnten.
Ein weiterer Wunsch ist, dass Forschung stärker unterstützt wird. Prävention braucht langfristige Finanzierung, internationale Kooperation und den Mut, große Fragen gemeinsam anzugehen.
Verabschiedung
Was möchten Sie den Hörer:innen noch mitgeben?
Prof. Bernhard Hemmer:
Prävention ist bei MS kein einfacher Weg. Aber sie ist ein realistisches Ziel, wenn viele Menschen zusammenarbeiten.
Wichtig ist, Hoffnung und Realismus zu verbinden. Es wird nicht die eine schnelle Lösung geben. Aber die Fortschritte der letzten Jahre zeigen, dass wir MS immer besser verstehen.
Wer heute mit MS lebt, profitiert bereits von deutlich besseren Therapien als frühere Generationen. Und für kommende Generationen könnte es möglich werden, noch früher anzusetzen.
Das Ziel ist klar: MS nicht nur behandeln, sondern eines Tages verhindern.
Weiterführende Informationen
Ansprechpartner für die Studie
Paula Uibel: Paula.Uibel@mri.tum.de
Bernhard Hemmer: Bernhard.Hemmer@mri.tum.de
Die Global MS Prevention Initiative zeigt, dass MS-Forschung heute nicht mehr nur fragt: „Wie behandeln wir die Erkrankung besser?“ Sie fragt zunehmend: „Wie können wir verhindern, dass sie überhaupt entsteht?“
Das ist ein großer Perspektivwechsel. Und auch wenn noch viele Fragen offen sind, entsteht daraus eine neue Form von Hoffnung: nicht naiv, sondern wissenschaftlich begründet.
Bis bald und mach das Beste aus deinem Leben,
Nele
Mehr Informationen und positive Gedanken erhältst Du in meinem kostenlosen Newsletter.
Hier findest Du eine Übersicht zu allen bisherigen Podcastfolgen.
* Dieser Text enthält Affiliatelinks. Das bedeutet, dass ich eine kleine Vergütung bekomme, wenn du das von mir empfohlene Produkt über den Link erwirbst. Für dich ändert sich dadurch nichts am Kaufpreis. Und mir hilft es dabei, die Kosten für den Blog zu tragen und neue Beiträge zu schreiben.






