#159: Fußheberschwäche – Hol Dir Deine Mobilität zurück!

Gehen läuft normalerweise völlig automatisch ab. Doch wenn du von der Fußheberschwäche betroffen bist, wird jeder Schritt zur Herausforderung. Die damit verbundene Bewegungseinschränkung verkleinert oft den Aktionsradius, was zu einer sozialen Ausgrenzung führen kann. Außerdem können Folgeprobleme mit dem gesamten Bewegungsapparat, aufgrund der Ausweichbewegungen, auftreten. Die Sturzgefahr nimmt zu.

Zum Glück gibt es verschiedene Möglichkeiten, um den verlorengegangenen Bewegungsradius und die damit einhergehende Lebensqualität wiederzuerlangen. Eine Mischung aus Hilfsmitteln und gezielter Physiotherapie sind der erfolgversprechendste Ansatz, um selbständig und aktiv zu bleiben oder wieder zu werden.

Inhaltsverzeichnis

Sponsoring von Heller Medizintechnik

Die heutige Folge ist von Heller Medizintechnik gesponsert, die mit ihrem krankenkassengestützten Fußhebersystem innoSTEP-WL zu einer wesentlichen Verbesserung bzw. dem Erhalt deiner Mobilität beitragen können.

Multiple Sklerose, ein Schlaganfall oder eine andere neurologische Erkrankung können dir die Fortbewegung auf den eigenen zwei Beinen massiv erschweren, wenn sie zu einer Fußheberschwäche auch bekannt als Peroneuslähmung oder Fallfuß führen. Der innoSTEP-WL kompensiert mittels sensorgesteuerter Ganganpassung die Bewegungseinschränkungen, die durch den geschädigten Nerv entstanden sind und bringt dir Gangsicherheit zurück in den Alltag.

Dank der geringen Größe kannst du den innoSTEP-WL unter der Kleidung tragen, wo er kaum auffällt. Die regelmäßige Elektrostimulation trägt zusätzlich zum Muskelaufbau bei und kann so deine Laufdistanz verbessern. Und falls du genauso gerne barfuß gehst, wie ich, auch das kannst du mit dem innoStep-WL tun und dabei von der vollen Unterstützung des Fußhebersystems profitieren.

Was ist eine Fußheberschwäche?

Die Fußheberschwäche (auch bekannt als Peroneusparese oder Fußheberparese) tritt auf, wenn der Peroneusnerv beschädigt ist, der für das Anheben des Fußes verantwortlich ist. Die Auswirkungen reichen von einem unzureichenden Anheben des Fußes bis zum kompletten Ausfall.

Auslöser für die Schädigung kann die Multiple Sklerose sein, aber auch ein Schlaganfall sowie ein Schädel-Hirn-Trauma, ein Bandscheibenvorfall oder andere Verletzungen der Wirbelsäule, Druckschädigungen, Raumforderungen, Morbus Parkinson und weitere degenerative Erkrankungen. Das Signal bleibt auf dem Weg stecken und dadurch wird der Fuß nicht angehoben.

Wie verändert eine Fußheberschwäche den Gang?

Normalerweise rollen wir den Fuß beim Gehen ab. Das ist mit einer Fußheberschwäche nicht mehr möglich.

Betroffene setzen entweder die komplette Fußsohle auf, treten nur mit dem Vorderfuß auf oder kommen auf der Fußaußenkante auf. Kommt noch eine spastische Lähmung hinzu, verkrampfen zusätzlich die Zehen in dem sie sich strecken oder einkrallen.

Um dennoch weiter laufen zu können, kommt es zu verschiedenen Ausgleichsbewegungen. Oft wird die Hüfte höher angehoben, um nicht über den eigenen Fuß zu stolpern.

Da das reguläre Vorschwingen des Beines auch nicht mehr funktioniert, wird das Bein oft im Halbkreis nach vorne geschwungen.

Die Wade des anderen Beines wird enorm belastet und deutlich stärker beansprucht.

Um das Gleichgewicht besser zu halten, können Pendelbewegungen der Arme sowie eine Rumpfbewegung mit Becken und Schultergürtle hinzukommen. 

Keine dieser Ausgleichsbewegungen ist beim normalen Gehen vorgesehen, weshalb zusätzliche Haltungsprobleme, Schmerzen und eine erhöhte Abnutzung als Folgeprobleme auftreten können.

Außerdem ist die Sturz- und Verletzungsgefahr deutlich höher. Jede Unebenheit im Boden wird zur Herausforderung und das sonst so nebenbei ablaufende Gehen erfordert höchste Konzentration und Aufmerksamkeit. Die verbrauchte Energie kann in der Folge die Fatigue verschlimmern.

Es gibt also eine Vielzahl an Gründen für Abhilfe zu sorgen.

Welche Unterstützungen gibt es bei Fußheberschwäche und wie funktionieren sie?

Wer nicht gegen die Fußheberschwäche und die daraus resultierende Gangstörung vorgeht, riskiert Folgekomplikationen wie Rücken-, Becken-, Knie- und Hüftschmerzen. Alle beteiligten Muskeln, Knochen und Sehnen werden überstrapaziert. 

Doch das muss nicht sein. Neben der klassischen Physiotherapie, gibt es Hilfsmittel in verschiedenen Ausführungen bis hin zum implantierten Gehstimulator. So kannst du wieder aktiver werden und dich mit mehr Freude bewegen. Das ist gut, um die verbliebene Funktion deines Fußes bestmöglich zu erhalten, Muskeln wieder aufzubauen und die nicht verbrauchte Energie auf schönere Dinge zu verwenden. 

Physiotherapie

Es gibt einige Übungen, die dir dabei helfen können, die umliegenden Muskeln zu trainieren und einem Abbau der Fußhebermuskulatur entgegen zu wirken. Durch die regelmäßige Stimulation kannst du deinen Nerv dabei unterstützen sich wieder zu regenerieren und generell etwas Gutes für deine Beweglichkeit zu tun. Auch das Training der Bauchmuskulatur, des Gleichgewichtssinns und der Koordination sind wichtig.

Zu den typischen Übungen gehören:

  • Anheben der Zehenspitzen in Rückenlage
  • Anheben der Zehenspitzen im Sitzen
  • Dehnen der Wadenmuskulatur
  • Mobilisieren des Sprunggelenks
  • Thermische Stimulation – warm und kalt im Wechsel der vorderen Unterschenkelmuskulatur

Sprich am besten deinen Physiotherapeuten an, lass dir die Übungen zeigen und führe sie dann regelmäßig selbstständig durch.

Einfache Bandagen

Dazu gehören textile Fußheberorthesen und Fußheber-Bandagen. Sie kommen bei einer leichten Fußheberschwäche zum Einsatz. Sie unterstützen dich dabei wieder sicher zu gehen, deinen Fuß korrekt aufzusetzen und verhindern ein Umknicken. Das kann dir dabei helfen wieder einen normalen und schonenden Gangstil zu entwickeln. Die Fußorthese oder Fußheberbandage stabilisiert dein Sprunggelenk, ohne es zu sehr einzuschränken.

Es gibt Modelle zum Tragen im Schuh oder für das Barfußlaufen.

Peroneusschienen

Wenn du eine leichte bis mittlere Fußhebeschwäche hast, sind dynamische Fußheber-Orthesen (Peroneusorthesen oder -schienen) für dich interessant. Sie fördern ein natürliches Abrollen und können deine Gangsicherheit und ein normales Gangbild wiederherstellen. Sie sind ideal, wenn dich das Abrollen unter aktiver Belastung und einem erschöpften Muskel zunehmend anstrengt.

Es gibt sie in unterschiedlichen Ausführungen, sodass sie individuell auf deine Bedürfnisse angepasst werden können. Sie unterstützen die dynamische Fußhebung. Je nach Höhe und Flexibilität der Schiene kann zusätzlich dein Kniegelenk stabilisiert werden. Manche Modelle können sogar zum Sport getragen werden.

Funktionelle elektrische Stimulation (FES)

Die funktionelle elektrische Stimulation (FES) gehört zu den Elektro-Orthesen und in den Bereich der Neurorehabilitation. Sie ist eine Art Schrittmacher für den Fuß und sendet über den Peroneusnerv elektrische Impulse an die Muskeln, die an der Fußhebung beteiligt sind.

Dabei wird das FES-System in Form einer Manschette direkt unterhalb des Knies angesetzt. Das FES-Gerät schickt ein künstliches Signal an den Peronusnerv, der dadurch stimuliert wird, was zur Bewegung des Muskels führt. Die Technik ersetzt somit den ausgefallenen Bereich des zentralen Nervensystems, um die Fußheberschwäche zu kompensieren. Das kann zu einem dauerhaft verbesserten Gangbild führen.

Das FES-System dient zwei therapeutischen Zielen: 

  1. Durch die verbesserte Motorik wirst du wieder mobil.
  2. Die regelmäßige künstliche Stimulation des Peronusnerves soll dabei helfen, dass dein zentrales Nervensystem die Muskeln wieder selbstständig ansteuern kann.

Die besten Erfolge erzielst du, wenn du die funktionelle Elektrostimulation mit passenden Übungen aus der Physiotherapie verbindest, um wieder einen fast vollständig natürlichen Gang zu erlangen, ohne ungesunde Fehlhaltungen oder Ausweichbewegungen.

Implantierter Gehstimulator

Seit kurzem gibt es auch die Möglichkeit sich einen Impulsgeber als Gehstimulator ins Bein implantieren zu lassen. Dafür müssen allerdings einige Vorbedingungen erfüllt werden. Bisher ist diese OP eher die Ausnahme.

Interview mit Sascha Mannsfeld zum Fußhebersystem innoSTEP-WL

Portraitfoto von Sascha Mannsfeld

Ab welchem Einschränkungsgrad braucht man eine funktionelle Elektrostimulation?

Die funktionelle Elektrostimulation kann -je nach Krankheitsbild- schon bei leichten Problemen hilfreich sein, um sicherer, weiter und mit weniger Ausgleichsbewegungen laufen zu können. Wenn man die EDSS [expanded-disability-status-scale], eine Skala zu Beeinträchtigung bei MS zu rate zieht, kann dies schon bei Grad 2 „minimale Behinderung in einem funktionellen System“ sein.

Je intensiver die Fußheberschwäche ausgeprägt ist, umso mehr hilft der innoSTEP-WL

Wie schwer ist es eine Verordnung vom behandelnden Arzt zu bekommen?

Nicht schwer. Bei vielen Fachärzten, Neurologen, Orthopäden, Rehabilitationsmedizinern etc. sind derartige Gerätschaften schon bekannt. Auch der Hausarzt, also Allgemeinmediziner kann es problemlos verschreiben. Wichtig hierbei ist, dass wir, von Heller Medizintechnik hier sehr gerne unterstützen, als direkter Ansprechpartner der Ärztin/des Arztes oder auch mit einem konkreten Beispielrezept für die Verordnung.

Wie funktioniert die elektrische Reizvermittlung genau?

Ganz grob kann man zur Reizvermittlung sagen, dass unser Körper auf ähnliche Weise selbst mit Impulsen arbeitet, die er über die Nervenbahnen zur Muskulatur schickt. Ein Impuls erreicht den Muskel als elektrische Ladung, die dafür sorgt, dass sich die Muskelfasern zusammenziehen, wir uns bewegen. Der innoSTEP-WL setzt genau an der Stelle an, wo die Nervenbahn den Fußhebermuskel aktivieren soll, und gibt einen Impuls zur Bewegung.

Durch moderne Sensortechnik passiert die Impulsgebung genau dann, wenn wir einen Schritt machen wollen. Deswegen spricht man auch von FES, der funktionalen Elektrostimulation, weil es deutlich mehr und effektiver ist als einfache Elektrostimulation.

Durch diese Winkel- und Beschleunigungssensoren lernt das Gerät unser Gangbild kennen und passt sich an. Wenn wir schneller oder etwas gemächlicher Laufen, Treppensteigen oder in der Ebene bleiben, das Gerät erkennt das und hebt den Fuß im richtigen Moment und lässt ihn zum Ende des Schritts wieder locker.

Dadurch läuft man flüssiger, leichter und stabiler. Was wiederum dafür sorgt, dass man sicherer läuft, weniger Ausgleichsbewegung hat, weniger Kraftaufwand und weniger Anspruch an die Konzentration. So werden Stück für Stück wieder weitere Strecken möglich.

Ein zusätzlicher Vorteil vom Gerät ist, dass man es unter der Kleidung tragen kann, es muss also niemand sehen, es lässt sich mit einer Fernbedienung steuern. Ebenso wichtig: man hat wieder freie Schuhwahl und muss keine in unterschiedlichen oder zu großen Größen tragen, selbst barfuß Gehen ist wieder möglich, was gerade für ein sauberes Abrollen und Training des Fußgewölbe top ist. Dieses physiologischere, also „normalere“ Gehen in Verbindung mit der richtigen Impulsgebung kann die Nervenbahnung auch weiter verbessern, man spricht von neuronaler Neubahnung. Bedingung ist natürlich, dass die Stimulation sehr regelmäßig und langfristig genutzt wird. Dafür gibt es auch noch ein gesondertes Trainingsprogramm, das im Sitzen oder liegen durchgeführt werden kann.

Wir arbeiten in den meisten Fällen mit integrierten Textilelektroden, das heißt, dass keine Klebeelektroden nötig sind. Die Manschetten gibt es in verschiedenen Ausführungen, um allen Beinen gerecht zu werden. Über einen Magnetverschluss kann es dann auch einhändig angelegt werden, bzw. gibt es dann dadurch weniger Verschleiß bei einem Klettverschluss.

Gibt es irgendwelche Nebenwirkungen? Wenn ja, wie geht man damit um?

Bei einigen Patienten mit einer Spastik, kann diese bei den ersten Übungen häufiger ausgelöst werden, das liegt v.a. daran, dass die Muskulatur zu Beginn noch sehr schwach und schnell überlastet ist. Durch das Training, welches unweigerlich mit unserem Gerät passiert, wird dem aber entgegengewirkt und die Spastik geht insgesamt deutlich zurück.

In diesem Sinne kann es auch sein, dass Patienten in den ersten Tagen mit dem Hilfsmittel einen Muskelkater verspüren, oder – wie bei jedem Training – sich zu Beginn erst mal etwas schwächer fühlen, das kehrt sich aber schnell ins Gegenteil um.

Sehr intensive Nutzung führt ggfls. zu Hautreizung an der Stelle, wo die Impulse erfolgen.

Wie lange kann man die Manschette am Stück tragen?

Nach einer entsprechenden Eingewöhnung, beziehungsweise Aufbau-/Trainingsphase kann das Gerät tatsächlich den kompletten Tag über getragen werden. Es dient offiziell dem unmittelbaren Behinderungsausgleich, also, solange man läuft, kann es genutzt werden.

Dieses „unmittelbare Behinderungsausgleich“ ist auch für Ärzte interessant, da hierdurch für den Arzt keine Verschreibungskosten o.ä. anfallen.

Die Patienten können den innoSTEP-WL angepasst nutzen. Sinnvoll sind 2-3 h am Stück, auch um die Manschette feucht zu halten. (Verbesserung der Leitfähigkeit, der Impulsübertragung)

Das Gerät hat einen Akku, welcher locker bis 10h am Stück hält und über USB, wie das Handy, geladen werden kann.

Gibt es eine Gewöhnungszeit zu Beginn, die man beachten sollte?

Klassisch sind drei Wochen veranschlagt, mit einer leichten Steigerung von Tag zu Tag. Es gibt einen Trainingsmodus, welchen ich wärmsten empfehlen kann, um Muskelaufbau und Nervenverbesserung voranzutreiben, dieser läuft weitgehend automatisch ab und kann im Sitzen oder Liegen, z.B. beim Frühstück oder Fernsehschauen genutzt werden.

Wie muss man die Manschette tragen?

Das Gerät ist das leichteste seiner Art, wird unter der Kleidung direkt unter dem Knie am Unterschenkel getragen, da es kabellos ist, war es das schon. Gesteuert wird es dann mittels Fernbedienung.

Es erfolgt immer eine gemeinsame Anpassung mit unseren Therapeuten.

Eine gelbe Markierung dient als Positionierungshilfe an einer Manschette mit Stoffelektroden, welche durch Befeuchtung noch besser leitfähig werden. Patienten können selber einstellen, wie intensiv es unterstützen soll, angemessen an den Muskelzustand und den Untergrund.

Mit welcher Verbesserung kann man rechnen? Gibt es überzogene Erwartungen?

Das Gangbild verbessert sich, weniger Anstrengung, weniger Konzentrationsanforderung sind nötig. Man kann freiere und weitere Strecken Laufen.

Da mit der Gangunterstützung weniger Ausweichbewegungen passieren, können Schmerzen im Knie-, Hüft- und Rückenbereich deutlich vermindert werden. Die Achsen-Rumpfstabilität nimmt zu.

Es tritt eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität ein, nicht zuletzt auch dank freier Schuhwahl.

 Ja, es gibt überzogene Erwartungshaltungen. Es gibt Fälle, in denen Patienten den Rollator bei einmaliger Anlage des WLs weglassen können. Aber das ist nicht immer so. Durch die große Vielfalt an Patienten, gibt es auch sehr unterschiedliche Erfolge.

Man braucht ein Restpotential, also die Möglichkeit das noch Reize weitergeleitet werden.

Bei einigen Patienten ist die isolierte Bewegung im Fuß ok, das komplexere Gangbild aber vollkommen instabil, das kann mit dem innoSTEP-WL verbessert werden. Es gibt auch Fälle wo keine selbstgesteuerte Bewegung des Fußhebers möglich ist und dann durch die Stimulation wiederkehrt. Es ist nie verkehrt Hoffnung zu hegen und dies zumindest mit einem Test auszuprobieren.

In welchem Umfang kann man den InnoSTEP-WL testen, bevor man sich entscheiden muss?

Mindestens vier Wochen, dies ist mit den Kassen abgestimmt und allgemeiner Usus.

Welche Lieferzeit ist üblich?

Meist zwei bis vier Wochen. Mitunter kommt es zu weiteren Rückfragen der Kassen bzw. des Medizinischer Dienstes, dann dauert es auch mal länger, bei diesen helfen wir aber gern.

Wie lange dauert es mit den Einstellungen vertraut zu werden?

Das gelingt am ersten Tag. Unser Gerät ist wirklich einfach zu bedienen und zugänglich. Bei Rückfragen sind wir erreichbar.

Was muss man bei der Pflege beachten?

Die Manschette selbst ist wegen des Körperkontaktes ein Hygiene-/ Verschleißartikel. Man kann ein bis zwei Manschetten pro Jahr einkalkulieren, dies kann ebenfalls über ein Rezept geschehen. Die Manschette kann einfach auseinandergenommen und per Hand gereinigt werden.

Erfahrungsbericht Iris

Wie stark ausgeprägt ist deine Fußheberschwäche und wie gelingt dir die Fortbewegung ohne Hilfsmittel?

In den letzten Jahren hat sich meine Fußheberschwäche leider sehr verstärkt. Ich bin immer öfter gestolpert. Schwellen oder andere kleine Erhebungen wurden zunehmend zum Problem. Ich musste den Boden genau beobachten. Und wir haben mittlerweile einen Treppenlift, da ich keine Stufen mehr steigen kann.

Welche Einschränkungen entstanden dir dadurch im Alltag?

Mein Bewegungsradius wurde immer kleiner. Wege in den Garten oder ums Haus wurden schwieriger, selbst in der Wohnung fiel es mir schwer mich zu bewegen. Einkaufen ging auch nicht mehr.

Wann hast du dich entschieden ein Hilfsmittel in Anspruch zu nehmen?

Bei meiner Reha 2020 wurde ich erstmals auf die Hilfsmittel Rollator und Orthese aufmerksam gemacht und konnte es vor Ort ausprobieren. Das half mir zunächst sehr. Allerdings werden bei der Orthese die Muskeln nicht trainiert und bauen somit ab. Ich bin dann zur elektrischen Stimulation mittels Manschette gekommen, konnte diese ausprobieren und nach Beantragung, habe ich seit Anfang 2022 eine eigene. 

Wie haben sich deine Mobilität und Gangsicherheit verändert?

Ich kann wieder sicherer Gehen und somit wieder kleine Wege und Erledigungen selbst machen. Also zum nahgelegenen, kleinen Supermarkt mit dem Auto fahren und dort ein paar Kleinigkeiten einkaufen. Oder zu meinen Behandlungen von Physio- und Ergotherapie fahren und die kleinen Strecken zum Auto und bis zur Praxis selber laufen. Im Sommer waren wir auch mehrfach bei Freunden in der Nachbarschaft. Ich konnte mit meiner Manschette und dem Rolltor in Kombination selber hinlaufen und mich im Garten auch frei bewegen.

Hatte das einen direkten Einfluss auf Ihre Aktivitäten und Ihren Aktionsradius?

Ja, wie bereits erwähnt, kann ich wieder mehr selbstständig machen. Ich bin nicht nur auf die Innenräume fixiert, sondern kann rausgehen, Eindrücke sammeln, mit anderen sprechen oder mir etwas Gutes tun und Kleinigkeiten besorgen.

Wie hat sich Ihr körperliches und seelisches Wohlbefinden durch das Hilfsmittel gesteigert?

Diese wiedergewonnene Freiheit tut mir natürlich sehr gut. Und ich habe den Rollator und die elektrische Manschette voll akzeptiert. Andere sehen, dass ich eine Einschränkung habe, aber mit der Kombination aus Hilfsmitteln kann ich Pausen machen, wann ich will und meine Beinmuskulatur trainieren. Es tut mir gut unter Menschen zu sein und ich freue mich auf die kühleren Temperaturen, da werde ich wieder aktiver sein. Die Sommerhitze tut mir meist nicht gut.

Was würden Sie anderen Patienten mit Fußheberschwäche raten, die noch unschlüssig sind, ob Sie ein Hilfsmittel nutzen sollten?

Einfach ausprobieren und schauen, ob es was für einen ist. Ich kann dank der Manschette nicht doppelt so schnell oder doppelt so lang laufen, aber sicherer und traue mir wieder mehr Wege zu. Und haben sie keine Scham, bloß weil man ihnen das Hilfsmittel ansieht. Hilfsmittel können keine Wunder bewirken, aber sie können eine praktische und sinnvolle Unterstützung sein. Ich bin froh darum.

Erfahrungsbericht Andreas Pentziok

Wie stark ausgeprägt ist Ihre Fußheberschwäche und wie gelingt Ihnen die Fortbewegung ohne Hilfsmittel?

Ich habe eine stark ausgeprägte Fußheberschwäche.  Ohne Unterstützung schaffe ich maximal 1.000 Schritte. Danach fange ich an zu fuschen und werfe mein betroffenes rechtes Bein aus, um die Fußhebung zu umgehen.

Für mich persönlich wird es dann unrund und es ist auch überhaupt nicht mehr gut für meine Hüften und den gesamten Bewegungsapparat der involviert ist.

Welche Einschränkungen entstanden Ihnen dadurch im Alltag?

Jeder Weg den ich gehe, den muss ich auch zurück gehen und das führte bei mir dazu, dass ich einfach weniger gegangen bin. Ich habe andere Leute darum gebeten für mich zu laufen, Ich wurde lauf faul. Und das ist das schlechteste, was Menschen in unserer Situation tun können.

Wann haben Sie sich entschieden ein Hilfsmittel in Anspruch zu nehmen?

Seit 2016 habe ich erhebliche Probleme beim Laufen. Es gab einen Moment, da hatte ich für mich gefühlt einen „Herzinfarkt im Bein“. So drücke ich es immer aus. Diese Laufprobleme haben sich in 2017 und 2018 manifestiert.

Meine Laufleistung ging immer weiter runter. Der Chefarzt in Essen, der mich behandelt, brachte eine mechanische Fußorthese ins Spiel. Die hat mich weiter gebracht und mir das Gehen stark erleichtert.

Die eingesparten Wege wurden wieder gehbar. Aber das Auswerfen des Beines kam leider doch mit der Zeit zurück. Offenbar war dafür meine Fähigkeit zu gehen zu sehr eingeschränkt.

Dann habe ich über meine Ergotherapeutin, die ich wöchentlich besuche, die Empfehlung für eine funktionelle Elektrostimulation als Hilfsmittel für meine Fußheberschwäche erhalten.

Anfang 2021 habe ich Kontakt mit Heller Medizintechnik aufgenommen. Beim ersten Hausbesuch haben wir sämtliche Optionen durchgespielt – Laufen auf Rasen, auf Pflaster, die Treppe hoch und runter. Alles ohne die entsprechende Hilfe. Dann habe ich die Manschette angezogen und Herr Billen von Heller Medizintechnik hat dann alles eingestellt und mir gezeigt, wie witzig es sein kann, wenn ich erst mit Unterstützung laufe und dann plötzlich wieder ohne.

Natürlich ist die Manschette kein Allheilmittel, aber prinzipiell komme ich damit besser bewegter durch den Tag und das Laufen ist wieder einfacher geworden.

Wie haben sich Ihre Mobilität und Gangsicherheit verändert?

Ich laufe wieder mehr. Dadurch habe ich meine Muskeln wieder trainiert. Das Laufen ist wieder leichter geworden und dadurch das ganze Leben. 

Und persönlich habe ich mir als Ziel gesetzt, dass ich jeden Tag mindestens 4.000 Schritte laufe. Wenn es mehr sind super, wenn es weniger sind, dann muss ich nochmal los. 

Hatte das einen direkten Einfluss auf Ihre Aktivitäten und Ihren Aktionsradius?

Meine Lebensgefährtin und ich haben einen kleinen Hund. Vor dem Hilfsmittel habe ich mich da von Anfang rausgenommen, dass ich mit dem Hund sowieso nicht gehen kann. Mittlerweile drehe ich kleine Runden mit ihm.

Wir hatten vorher einen uralten Hund. Mit dem bin ich gegangen, aber das wurde auch immer weniger.

Mit dem Hilfsmittel nehme ich wieder teil am Leben und bin nicht so weggeschlossen und ausgesperrt.

Und dann habe ich mir das absolute Highlight gegönnt. Über meinen Arbeitgeber habe ich mir ein Jobrad besorgt, ein akkubetriebenes Dreirad, das mir die Sicherheit gibt, nicht zu stürzen beim Anfahren oder Abbremsen. Jetzt bin ich der Held der Feldwege.

Das ist genial. Ich bin wieder mobil. Ich nehme am Leben teil. Ich kann die Sonne genießen und ich bin zufrieden wie es ist.

Wie hat sich Ihr körperliches und seelisches Wohlbefinden durch das Hilfsmittel gesteigert?

Ja, natürlich. Ich weiß, ich hab ein Problem, aber deshalb will ich mich ja nicht vom Leben ausschließen und das Hilfsmittel ermöglicht mir, wieder aktiv teilzunehmen.

Was würden Sie anderen Patienten mit Fußheberschwäche raten, die noch unschlüssig sind, ob Sie ein Hilfsmittel nutzen sollten?

Jeder und jede muss für sich einen Versuch in Anspruch nehmen. Vielleicht ist da so eine Hemmschwelle: Ah da hab ich so ein Hilfsmittel am Bein. Was ist wenn ich da schwitze, riecht das, stinkt das? Was sagen die anderen? Kann man das sehen unter der Kleidung? Ist mir das peinlich?

Einfach die ganzen schlechten Gedanken ab in den Mülleimer. Einfach mal ausprobieren und ich glaube, dass vielen meiner Leidensgenossen bestimmt geholfen wäre. Natürlich wird es nicht allen Menschen helfen, aber jeder sollte wenigstens mal ausprobieren, ob das eine oder andere Hilfsmittel hilft. Denn wenn es ein Stück weiterhilft, ist schon viel getan, selbst wenn es nur ein Stückchen ist, ist bereits viel gewonnen.

Nichts ist ganz schlecht.

Zusammenfassung

Je stärker die Fußheberschwäche ausgeprägt ist, umso mehr sollte das Hilfsmittel unterstützen. Ein gezieltes zusätzliches Training durch Physiotherapie ist in jedem Fall empfehlenswert und führt zu den größten Erfolgen.

Warte also nicht zu lang, wenn du unter dem Problem leidest, du riskierst nur Stürze oder zusätzliche Probleme mit anderen Gelenken, Knochen, Muskeln und Sehnen. Und vor allem kannst du viel besser am Alltagsleben mit Familie, Beruf und Freizeit teilnehmen, wenn Du gut und sicher zu Fuß bist.

In jedem Fall muss das Hilfsmittel deiner Wahl individuell auf dich abgestimmt und eingestellt werden. Besprich dich dazu mit deinem behandelnden Arzt, Orthopädietechniker oder Physiotherapeuten. Und nimm dir am Anfang genügend Zeit um alle Einstellungen, Pflegehinweise und Tipps kennenzulernen und zu verinnerlichen bzw. zu dokumentieren, damit du sie bei Bedarf später nachlesen kannst.

Neben den oben genannten Hilfsmitteln kannst du noch ausprobieren, ob dir spezielle sensomotorische Einlagen eine zusätzliche Verbesserungen bringen für Muskelspannung, Balance und Ganghaltung.

Wenn dein Knie bereits Schaden genommen hat, durch eine Überstreckung oder erhöhte Belastung, kann eine entlastende Kniebandage wohltuend sein.

Und wie immer gilt, dass du mit einem gesunden Lebenswandel und einer funktionierenden verlaufsmodifizierenden Therapie die besten Voraussetzungen schaffst, um die MS zu stoppen oder mindestens zu verlangsamen.

Bestmögliche Gesundheit und stets einen sicheren Gang wünscht Dir,
Nele

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Nele Handwerker

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