Porträtbild von Dr. Petra Goergens zum Beitrag "Details zur gesunde Ernährung bei MS"

Podcast #094 – Details zur gesunden Ernährung bei MS von Dr. Goergens

Frau Dr. Petra Goergens ist das zweite Mal zu Gast bei mir. Beim ersten Mal ging es allgemein um gesunde Ernährung bei MS. Diesmal gibt sie ganz konkrete Tipps zu Mengen und Bedeutung einzelner Ernährungsbausteine von Propionsäure über Gewürze bis hin zu Nahrungsergänzungsmitteln.

Arachidonsäure zählt zu den ungesunden Fetten. In welchen Lebensmitteln kommt sie vor und sollten MS-Patienten diese komplett vermeiden?

Arachidonsäure ist per se keine schlechte Fettsäure. Sie unterstützt den Organismus darin die Integrität aufrecht zu erhalten, also z.B. unerwünschte Krankheitserreger unschädlich zu machen oder Fremdstoffe aus Gewebe zu entfernen. Es ist vielmehr wichtig, nicht zu viele von der Fettsäure aufzunehmen.

Die Arachidonsäure kommt in tierischen fettreichen Lebensmitteln vor, wie z.B. fette Wurst (z.B. Salami, Teewurst, Leberwurst), fettes Fleisch oder fette Fleischprodukte, wie Bratwurst, Wiener oder Schweinebauch. Magere Wurst, z.B. Corned Beef, Bratenaufschnitt, Geflügelwurst wären fettärmere Varianten oder auch Gulasch, Braten, Rouladen, Hähnchenfleisch. Auch fetter Käse, Eier und Butter enthalten Arachidonsäure in höheren Mengen und sollten daher eher weniger gegessen werden.

Wo stecken gesunde Fette drin und wie viel sollten wir davon essen?

Gesunde Fette: Pflanzenöle, vor allem Olivenöl, Rapsöl, Walnussöl, Lein- und Hanföl, weil sie ein gutes Verhältnis der einzelnen Fettsäuren haben.
Bei den sichtbaren Fetten (z.B. Butter auf dem Brot) und Ölen (z.B. zum Braten oder für die Salatsoße) liegt die Empfehlung bei ca. 2 Portionen, d.h. ca. 2 EL am Tag.

Walnüsse werden oft als besonders gesund genannt. Gilt das für alle Nusssorten, auch Macadamia-, Cashew-, Hasel-, Pecan- und Paranüsse?

Nüsse und Saaten haben unterschiedliche Gehalte an Nährstoffen. So sind Walnüsse reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren und haben insgesamt mehr Fett als andere Nüsse (Fett 41 g/100 g). Mandeln sind reich an Vitamin E, Calcium und Ballaststoffen.

  • reich an Vitamin E sind: Haselnüsse (26 mg/100 g) und Mandeln (26 mg/100 g)
    Referenzwert zur Aufnahme: 12 – 15 mg
  • reich an Magnesium sind: Cashew (270 mg/100 g) und Pinienkerne (235 mg/100 g)
    Referenz: 300 – 400 mg
  • reich an Calcium sind: Mandeln (250 mg/100 g) und Haselnüsse (226 mg /100 g)
    DACH: 1000 mg
  • reich an Ballaststoffen sind: Mandeln (15 g/100 g)
    DACH: mind. 30 g/Tag

Aber Achtung: immer ungesalzen und bestenfalls täglich 25 – 30 g Nüsse.

Wie beeinflusst die Zubereitung des Essens den Nährwert? Ist Rohkost besser? Sollten bestimmte Regeln beim Braten, Kochen oder Backen beachtet werden?

Rohkost und gegarte Speisen sollten bestenfalls beides gegessen werden. Durch das Garen werden z.B. bestimmte Vitamine erst besser für den Verdauungstrakt verfügbar, wie z.B. Beta-Carotin oder Vitamin E oder auch die Stärke in Kartoffeln. Schonendes Garen wie Dämpfen oder Dünsten ist auf jeden Fall zu bevorzugen gegenüber Braten oder Frittieren (hohe Temperaturen und meist viel Fett).

Wie lauten Ihre Empfehlungen für die Verwendung von Kräutern und Gewürzen?

Als Zutat reichlich und oft – nicht als Nahrungsergänzungsmittel!

Nahrungsergänzungsmittel werden im deutschsprachigen Raum immer beliebter. Können diese Mittel eine ungesunde Ernährung ausgleichen?

Nein, sie können eine ungesunde Ernährung nicht ausgleichen, sie können aber manches Mal helfen einen Mangel auszugleichen.

Zur Ernährung gehören auch Getränke. Wie viel und vor allem was sollten MS-Patienten trinken und wovon lieber weniger oder gar nichts?

Reichlich Wasser, Tee, Schorlen, in Maßen Kaffee (2-3 Tassen am Tag).
Weniger Alkohol.

Haben Sie noch einen Praxistipp, wie man sich gesund ernähren kann, wenn im Alltag wenig Zeit für die Zubereitung bleibt?

Sechs Tipps zum Zeitsparen:

  1. Speiseplan für mehrere Tage/ 1 Woche anfertigen Stichwort: Rezeptbuch.
  2. Auf Vorrat kochen: Einmal frisch essen, die restlichen Portionen einfrieren.
  3. Reis, Nudeln oder Kartoffeln in größerer Menge kochen und am nächsten Tag eine Pfanne oder einen Auflauf daraus zaubern.
  4. Auf ungewürztes Tiefkühl-Gemüse und -Fisch zurückgreifen.
  5. Beim Putzen von frischem Gemüse: Auf Vorrat putzen und im Kühlschrank lagern.
  6. Vorräte haben: z.B. Hülsenfrüchte im Glas oder in der Konservendose.

Über die DMSG Niedersachsen und gemeinsam mit anderen haben sie die “Lieblingsküche” erstellt, ein Kochbuch mit 70 Rezepten. Können Sie kurz das Konzept dahinter erläutern?

Eine Gruppe von MS-Betroffenen hat gemeinsam mit Frau Heus, die die Beratungsstelle Winsen leitet und mir ein tolles Kochbuch entwickelt. Es beinhaltet die Lieblingsrezepte aller Beteiligten, die in einem begleitenden Prozess hinsichtlich einer entzündungshemmenden Kost verändert wurden und dann gegenseitig erneut zubereitet wurden.

D.h. wir haben die Rezepte weiterentwickelt und deshalb auch in bei den jeweiligen Rezepten zahlreiche Tipps ergänzt, wie das Gericht variiert werden kann oder Wissenswertes hinzugeschrieben. Im Anhang finden sich auch zahlreiche Tipps zur Vorratshaltung oder für die Zusammenstellung eines Buffet.

Und das Format ist sehr handlich mit seiner stabilen Ringbindung.
Das Kochbuch ist kein Ratgeber, das ist wichtig – es soll Spaß machen zu kochen und natürlich auch zu essen.

Was hat es mit der Propionsäure auf sich und wie profitieren MS-Patienten davon?

Propionat oder Propionsäure ist eine kurzkettige Fettsäure, die im Darm von Bakterien gebildet werden kann. Lösliche Ballaststoffe, wie sie z.B. in Gemüse, Obst, Getreideprodukten und Hülsenfrüchten enthalten sind, dienen als „Futter“ dieser Bakterien. Propionsäure beeinflusst u.a. positiv die Resorption (Aufnahme) von Mineralstoffen (Calcium, Magnesium), stärkt die Darmbarriere, fördert das Sättigungsgefühl, usw. und soll auch als „Entzündungsbremse“ wirken.

Im Themenfeld MS wird dies erforscht und so soll die Gabe von Propionsäure als Nahrungsergänzungsmittel zusätzlich zu MS-Medikamenten langfristig die Schubrate und das Risiko einer Behinderungszunahme reduzieren.

Weitere Infos auch hier:

Wie erreicht man Sie am besten?

Über meine Homepage petra-goergens.de und natürlich über Google.

Hinweis auf die Studie der UKE (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf) zur Verständlichkeit einer umfassenden Ernährungsinformation

Aktuell wird am UKE, am Institut für Neuroimmunologie und Multiple Sklerose, MS Tagesklinik des UKE, eine sehr umfassende Ernährungsinformation hinsichtlich Verständlichkeit und Lesbarkeit im Rahmen einer Studie geprüft.

Aktuelle Studienergebnisse fließen in die Bewertung von Themen, wie z.B. glutenfreie Ernährung, Fasten, etc. ein. Interessenten können sich bei Frau Dr. Karin Riemann-Lorenz unter nutrims@uke.de melden und daran teilnehmen.

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Vielen Dank für das erneute Interview an Dr. Petra Goergens!

Bestmögliche Gesundheit wünscht dir,
Nele

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