316: Mit Mut aufs Podium: Regine Mispelkamp über MS, Para-Sport und den Weg zur Paralympics-Medaille

In diesem Interview erwartet dich eine ganz besondere Geschichte – voller Mut, Leidenschaft und innerer Stärke, die bis zu den Paralympics führt. Regine Mispelkamp ist Para-Dressurreiterin, Speakerin und MS-Patientin. Trotz der Diagnose Multiple Sklerose hat sie sich ihren sportlichen Traum erfüllt und stand bei den Paralympics auf dem Podium. Doch dieses Gespräch geht weit über sportliche Erfolge hinaus: Es geht um Selbstakzeptanz, Rückschläge, Ängste – und darum, wie wichtig es ist, das eigene Leben bewusst zu gestalten.

Regine teilt offen, wie sie mit der Erkrankung umgeht, was ihr Kraft gibt und warum kleine Schritte oft die wichtigsten sind. Ob du selbst sportlich aktiv bist oder körperlich eingeschränkter – ihre Erfahrungen zeigen: Es gibt viele Wege, sich mit der MS zu arrangieren, neue Ziele zu finden und Lebensfreude zu bewahren. Lass dich inspirieren – in deinem ganz eigenen Tempo.

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Inhaltsverzeichnis

Vorstellung – Wer ist Regine Mispelkamp?

Regine Mispelkamp: Ja, mein Name ist Regine Mispelkamp. Ich bin Jahrgang 1970. Ich liebe Pferde, habe mein Hobby zum Beruf gemacht und auch zur Berufung – das ist auch mein Leistungssport geworden. Ich komme aus Geldern, das liegt im Rheinland.

Diagnose und aktueller Status

Wann und wie hast du die Diagnose MS erhalten?

Regine Mispelkamp: Rückblickend hatte ich eine extrem starke Erkältung, und etwa sechs Wochen später begannen Kribbelgefühle in den Beinen – wie Gummistiefel mit Wasser, aber ohne Wasser. Ich dachte zuerst an Bandscheibenprobleme. Als es nicht wegging, kam ich zum Orthopäden, dann zum Radiologen – und der hat mir dann ziemlich platt gesagt: „Sie haben MS.“

Gab es im Rückblick bereits frühere Symptome?

Regine Mispelkamp: Ich hatte als Teenager sehr stark ausgeprägtes Pfeiffersches Drüsenfieber. Ob das der Auslöser war, weiß ich nicht, aber vielleicht war es ein Puzzlestück.

Wie hast du die Diagnose aufgefasst und wie war es für deine Liebsten?

Regine Mispelkamp: Ich war geschockt. Ich wollte es nicht wahrhaben, habe dagegengearbeitet. Mein Umfeld hat sehr unterschiedlich reagiert, was mich lange davon abgehalten hat, offen über die Diagnose zu sprechen. Erst 2018 habe ich sie öffentlich gemacht.

Welche Behandlung wurde dir empfohlen – und wie hast du dich entschieden?

Regine Mispelkamp: Ich startete mit Interferonen, hatte aber starke Nebenwirkungen. Dann Copaxone – auch da: Fieber, Schmerzen. Schließlich bin ich in eine Studie mit Gilenya gekommen, aber bekam darunter meinen schlimmsten Schub. Heute setze ich mehr auf mentale Stärke und Lebensumstellung.

Anmerkung Nele von Horsten: Immuntherapien gelten als eine Hauptsäule, um die Auswirkungen der Multiplen Sklerose so gering wie möglich zu halten. Heutzutage gibt es eine große Auswahl an verfügbaren Therapien mit unterschiedlichen Wirkansätzen. Lass Dich von Deiner Neurologin oder Deinem Neurologen umfassend beraten. Ich habe auch eine Reihe dazu veröffenlticht. Auftakt ist das Interview mit Prof. Tjalf Ziemssen.

Nutzt du symptomatische Therapieangebote? Wenn ja, welche?

Regine Mispelkamp: Ja, Vitamin B12, Antioxidantien, bewusstes Essen, ein Personal Trainer, viel Physiotherapie – das hilft mir, auf einem guten Level zu bleiben.

Was war dein tiefster Punkt mit der Multiplen Sklerose und wie hast du dich wieder rausgekämpft?

Regine Mispelkamp: Ich habe mal eine Veranstaltung gesehen, bei der MS-Betroffene ritten – und ich konnte mir das für mich nicht vorstellen. Das war ein Schockmoment. Rausgeholfen haben mir meine Pferde und mein Beruf. Die Freude daran überdeckt vieles.

Wie geht es dir aktuell mit deiner MS?

Regine Mispelkamp: Gut. Ich habe immer wieder mit Neuralgien zu kämpfen, aber wir kriegen sie zum Glück schnell in den Griff.

MS und Spitzensport: Ein außergewöhnlicher Weg

Wie bist du zum Reitsport gekommen?

Regine Mispelkamp: Der Pferdevirus kam von meinen Eltern. Es war Teil meiner Kindheit, hat mir Werte wie Disziplin und Verantwortung beigebracht. Ich bin quasi spielerisch hineingewachsen.

Wie kam es dazu, dass du Para-Sportlerin wurdest?

Regine Mispelkamp: Zufall. Eine Trainerin sprach mich an, weil ich über Kortison sprach – da gingen mir die Ausreden aus. Sie ermutigte mich, den Weg zu gehen. Ich ließ mich klassifizieren, wurde in Grade 5 eingestuft.

Wie verlief der Weg von der Diagnose zu sportlichen Erfolgen?

Regine Mispelkamp: Ich musste viele medizinische Nachweise erbringen, wurde auf Koordination, Kraft und Beweglichkeit getestet. Es war ein aufwendiger Prozess, aber dann war ich dabei – national und international.

Gab es Rückschläge auf dem Weg?

Regine Mispelkamp: Natürlich – körperlich, emotional, organisatorisch. Aber ich bin gut im Fokussieren. Ich habe immer geschaut: Wo ist die nächste Stellschraube?

Was war dein emotionaler Höhepunkt bei den Paralympics?

Regine Mispelkamp: In Tokio war mein Pferd das jüngste und wir holten die einzige Medaille fürs Team – das war bewegend. In Paris stand mein Pferd still bei tosendem Applaus. Das war magisch.

Wie wichtig waren Team, Pferde und Umfeld?

Regine Mispelkamp: Ohne mein Team wäre das nicht möglich. Die Pferde sind Sportpartner, die Familie verzichtet auf viel. Es ist immer Teamarbeit – auch emotional.

Training, Anpassung & Alltag

Wie sieht dein Training heute aus?

Regine Mispelkamp: Ich reite weniger Pferde am Tag, höre mehr in sie hinein, arbeite gefühlvoller. Ich bilde auch andere Reiter aus – individuell und mit viel Kopf und Herz.

Welche Rolle spielen passende Hilfsmittel?

Regine Mispelkamp: Ich nutze aktuell keine, könnte aber z. B. Schlaufen in den Zügeln beantragen, wenn es nötig wird. Alles muss beantragt und genehmigt werden.

Was würdest du anderen MS-Patient:innen raten?

Regine Mispelkamp: Bewegt euch! Egal was, bleibt in Bewegung. Auch Spaziergänge zählen. Macht’s draußen – die Natur ist Balsam

Wünsche und Ziele

Hast du einen großen unerfüllten Wunsch?

Regine Mispelkamp: Ja, Paragliding – trotz Höhenangst. Vielleicht schaffe ich das eines Tages im Tandem.

Welche Entwicklung wünschst du dir im Bereich Multiplen Sklerose in den kommenden 5 Jahren?

Regine Mispelkamp: Mehr Offenheit in der Forschung, breiter denken, über den Tellerrand schauen.

Blitzlicht-Runde

Was war der beste Ratschlag, den du jemals erhalten hast?

Den habe ich mir selbst gegeben: „Hör auf deinen Bauch.“

Mit welcher Person würdest du gern einmal ein Kamingespräch führen und zu welchem Thema?

Da fallen mir viele ein – ich kann mich nicht entscheiden.

Vervollständige den Satz: „Für mich ist die Multiple Sklerose…“

… mein stiller Begleiter.

Welche Internet-Seite kannst du zum Thema MS empfehlen?

Da bin ich die Falsche – ich recherchiere nicht so viel online dazu.

Welches Buch oder Hörbuch, dass du kürzlich gelesen hast, kannst du uns empfehlen und worum geht es darin?

Julia Gwinns Biografie – sehr inspirierend. Ich schreibe übrigens auch an einem Buch.

Verabschiedung

Hast du einen Tipp, den du deinem jüngeren Ich geben würdest, für den Zeitpunkt der Diagnose?

Regine Mispelkamp: Lass dich nicht verrückt machen. Bleib klar und hör auf dein Innerstes – nicht auf die Stimmen von außen.

Möchtest du den Hörerinnen und Hörern noch etwas mit auf dem Weg geben?

Regine Mispelkamp: Wir haben nur dieses eine Leben. Sucht euch Dinge, die euch Freude machen – und gönnt euch kleine Auszeiten. Genießt das Leben.

Wo findet man dich im Internet?

Regine Mispelkamp: Unter www.mispelkamp.com sowie auf LinkedIn und sozialen Medien unter „Regine Mispelkamp Sportlerin“ (Instagram, Facebook)

Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Freude und Erfolg mit den Pferden. 

Bis bald und mach das Beste aus Deinem Leben,
Nele

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Portraitbild Nele Handwerker

Nele von Horsten

Blogger & Patient Advocate

Ich zeige Dir, wie Du das beste aus Deinem Leben mit MS machen kannst von Familie über Beruf bis Hobbys. Denn dank Wissenschaft und Forschung ist das heutzutage möglich.

Nele von Horsten

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