Foto von MS-Patienten, Vater und Ehemann Can Erten

Podcast #067 – Interview mit MS-Patient Can Erten

Vorstellung

Can Erten ist stolzer Vater von zwei wunderbaren Mädchen, glücklich verheiratet und bastelt gern mit Holz.

Diagnose und aktueller Status

Can Erten erhielt die Diagnose MS im September 2015, hatte aber bereits seit 2011 Probleme, die ihm vor allem beim Fußball spielen auffielen.

Es gibt Höhen und Tiefen mit der Krankheit und es geht auf und ab.

Basistherapie

Can hat anfangs zwei Jahre Tecfidera genommen. Dann erfolgte im April 2018 der Umstieg auf Gilenya. Gerade steht die Frage im Raum, ob eine weitere Umstellung auf Ocrevus Sinn macht.

Anmerkung: Für jeden MS-Patienten funktionieren andere Therapieoptionen. Nach aktuellem Therapieansatz solltest du dringend das Medikament wechseln, wenn du darunter noch Schübe bzw. ein Fortschreiten der Erkrankung hast. Bitte berate dich dazu mit deinem Neurologen.

Lebensplanung

Für Can Erten waren Karriere und Familie immer sehr wichtig. Er arbeitete früher 10 Stunden am Tag. Mit der MS war das nicht mehr möglich und er wechselte die Firma, hat nun einen ruhigeren Job mit weniger Stress.

Seine Familie ist nun seit Hauptfokus und er genießt die Zeit mit den Mädchen und sie aufwachsen zu sehen.

Gesunde Lebensweise

Seine Frau hilft Can dabei sich gesund zu ernähren. Er hat bereits vor der Geburt seiner ersten Tochter mit dem Rauchen aufgehört und damit einen entscheidenden Risikofaktor für das voranschreiten der MS aus seinem Leben verbannt. Außerdem trinkt er fast keinen Alkohol mehr und versucht Fast Food zu vermeiden.

Umgang mit der Erkrankung

Can kann die Erkrankung vor seinen Töchter gar nicht Geheimhalten und geht auch sehr offen damit um. Er kann nur bedingt mit seinen Töchtern toben, spazieren gehen und Spaß machen.
Seine größere Tochter weiß von der Multiplen Sklerose und die Kleine zumindest davon, dass Papa ein „Aua“ am Bein hat. Beide Töchter kennen es gar nicht anders und wachsen damit auf.

Hobbybastler

Das arbeiten mit Holz ersetzt zum Teil das frühere Fußballspielen. Werkzeuge und Werkbank hat Can von seinem Vater geerbt und er kann in Ruhe seine Projekte durchführen, wie zum Beispiel ein Regal für die Spielfiguren seiner Töchter zu bauen. Es tut gut etwas mit den eigenen Händen zu erschaffen.

Austausch mit anderen MS-Patienten

Can tauscht sich regelmäßig mit anderen männlichen, aber auch weiblichen MS-Patienten aus. Der Vater von einem Freund gehört dazu. Außerdem ist Can bei Instagram aktiv.

Anfangs wollte er nichts von anderen Betroffenen wissen, da es ihn deprimierte und er sich nicht mit der Krankheit auseinandersetzen wollte. Mittlerweile hat sich das geändert.
Die Sauerlandklinik in Hachen, die eine MS Klinik beinhaltet, ist eine Anlaufstelle für Can. 

Bedeutung der Erkrankung im Alltag

Die MS nimmt viel Raum in Cans Leben ein, da sie ihn zunächst immer erst einmal hemmt. Dann muss er seine Gedanken sortieren, sich auf seine Familie fokussieren und dann tritt die MS wieder in den Hintergrund. Aber das erfordert viel Übung und der Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Es ist vielmehr ein täglicher Kampf.

Tiefpunkt

Cans größter Tiefschlag mit Multipler Sklerose war die Diagnose der Erkrankung, da er keinerlei Empathie von ärztlicher Seite bekommen hat. Eine kurze Information über die Diagnose MS und dann wurde er allein in seinem Zimmer gelassen. Seine Familie kam erst einige Zeit später und so nahmen die Ängste viel Raum ein.

Danke vieler Gespräche und Unterstützung lieber Menschen hat er sich allmählich aus dem Loch herausgekämpft.

Einstellung zu Glück, Zufriedenheit und Dankbarkeit

Nachdem 2014 Cans Vater verstarb, stand er neben sich und nahm kaum aktiv am Leben teil. Die MS-Diagnose hat den Fokus auf seine Familie und das Glück seine Töchter aufwachsen zu sehen gelenkt. Er genießt nun vielmehr den Moment.

Tipps zum Umgang mit MS-Symptomen

Can geht dann in sich und versucht auf seinen Körper zu hören. Es fällt ihm aber manchmal schwer. Gerade da er früher aktiv Fußball gespielt hat und seinem Körper voll vertrauen konnte, sind die ungewissen Zustände – Schub oder Pseudoschub – eine große Herausforderung für ihn.

Blitzlichtrunde

  • Zukunft und Ziele:  Entspannter sein, das Leben genießen. Für die Mädels da sein.
  • Bester Ratschlag: Kopf hoch, Brust raus – Nicht unterkriegen lassen – Aber mit Liebe.
  • Aktuelles Lebensmotto: Kein Stress
  • Kamingespräch führen mit: Meinem Vater – Über den Sinn des Lebens.
  • Vervollständige den Satz: „Für mich ist die Multiple Sklerose… ein Begleiter und eine Chance.“
  • Internet-Seite zum Thema MS: Blog von Nadine, dein Blog (ms-perspektive.de), amsel.dedmsg.de
  • Buchtipp: „Die Große Pause: Mein Corona-Tagebuch“ von Bastian Bielendorfer

Was würdest du deinem jüngeren Ich zum Zeitpunkt der Diagnose raten?

Reden, reden, reden. Mit der Familie, Freunden und anderen Betroffenen. Nicht verstecken. Wenn es ausweglos erscheint, jemanden anrufen und sprechen!

Man ist nie allein.

Can bei Instagram: @erten8266

 

Alle Fragen und Antworten kannst du in der Podcast-Folge nachhören.

Alles Liebe und bestmögliche Gesundheit wünscht dir,
Nele

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